Vor wenigen Tagen erhielt Marion Gräfin Dönhoff im schwedischen Karlskrona den Pax-Baltica-Preis in Anerkennung ihres "Engagements für Frieden und Aussöhnung im Ostseeraum". Ihre Dankesrede widersprach - ohne daß dies bezweckt gewesen wäre - einem Leitartikel, der am gleichen Tag in der FAZ stand: "Schweden, einst die dominierende Macht an der Ostsee, ist zu einem außenpolitischen Zwerg geschrumpft. Das muß man, zumal in dem Jahr, da von Stockholm bis Münster und Osnabrück an den Westfälischen Frieden vor 350 Jahren erinnert wird, nicht einmal bedauern. Der Weg vom Kampf um Hegemonie in die bescheidene Neutralität hat sich bewährt, hat dem Land Frieden und Wohlstand gebracht. Während der zurückliegenden vier Jahre einer sozialdemokratischen Regierung ist der Zwerg aber so klein geworden, daß man ihn kaum noch sieht. Stockholms Außenpolitik ist ein unbeschriebenes Blatt.

Der Neuanfang an der Ostsee, der sich aus dem Zusammenbruch der Sowjetunion ergab, mündete für Schweden nach einem vielversprechenden Engagement zu Anfang der neunziger Jahre in einem Delta der Orientierungslosigkeit. Für die Ostseeregion ist daraus ein Ärgernis geworden ...

Mangelhafte Diplomatie und das Unvermögen, dem Land eine neue Perspektive zu geben, sind derzeit die größten Belastungen der schwedischen Außenpolitik.

Profilierungsversuche wie die im Ostseerat sind ohne Wirkung verpufft ..."

Marion Gräfin Dönhoff sagte dagegen in Karlskrona: Meere trennen, aber Meere verbinden auch. Der Ostseeraum ist durch die Hanse vor 600 Jahren in der Geschichte Europas zu einem wichtigen Wirtschaftsraum geworden. Über Jahrhunderte hat diese Zone als einheitlicher Handels- und Kulturraum eine herausragende Rolle gespielt.

In unserem Jahrhundert war dieses Gebiet durch zwei Weltkriege, den Eisernen Vorhang und Kalten Krieg zu einer toten Region geworden. Jetzt wird der Ostseeraum, zu dem die zehn angrenzenden Länder sowie Island gehören, wieder eine aktive Region.

In diesem Jahr trafen sich 106 Hansestäder aus elf Ländern in Visby auf Gotland zur Beratung. Der Ostseerat, der das höchste Gremium für diese Gruppe darstellt, ist 1992 mit Sitz in Stockholm gegründet worden die Außenminister oder Regierungschefs treffen sich jedes Jahr einmal, um über die Möglichkeiten engerer Zusammenarbeit zu beraten.