Wieder einmal haben sich die Angelsachsen an die Spitze der Bewegung gesetzt. Während die Mächtigen in Kontinentaleuropa erneut schweigen, drängeln Amerikas Präsident Bill Clinton und der britische Premierminister Tony Blair zur Eile: Die beiden wollen nicht weniger als das globale Finanzsystem grundlegend erneuern. Nach dem Absturz in Asien, dem Desaster in Rußland und der Zitterpartie in Lateinamerika, so Clinton, stehe die Weltwirtschaft vor der größten Herausforderung seit 50 Jahren.

Im Visier hat das angelsächsische Duo vor allem die Weltbank und den Internationalen Währungsfonds (IWF) - die nicht zu Unrecht als reformbedürftig gelten. Schließlich wurden die beiden Bretton-Woods-Institutionen (benannt nach einem Örtchen im US-Bundesstaat New Hampshire) bereits vor 54 Jahren erdacht. Seither sind an den internationalen Finanzmärkten Lichtjahre vergangen. Atemberaubender technologischer Fortschritt, vor allem in der Telekommunikation, ging einher mit dem politischen Primat von Liberalisierung und Deregulierung. Ein unerwünschtes Ergebnis: Anstatt Wirtschafts- und Währungskrisen schon im Keim zu ersticken, spielt der IWF zunehmend die Rolle einer Feuerwehr, die gerufen wird, wenn es schon lichterloh brennt. Der Preis ist hoch: Der Fonds zahlt, während unfähige Regierungen und heimatlose Spekulanten meist ungeschoren davonkommen.

Blair fordert daher mehr Transparenz von Staaten und Unternehmen, gleichzeitig will er die Rechte der Kontrolleure stärken (ZEIT 39/98). Nach dem Willen der Briten, sie stehen derzeit der Gruppe der sieben wichtigsten Industrienationen (G-7) vor, werden die Finanzminister und Notenbankchefs der G-7 bereits Anfang Oktober in Washington das heikle Reformprojekt angehen.

Das Vorhaben klingt noch ziemlich vage

und im Zeitalter der Globalisierung sind verschärfte Kontrollen und Regularien nur sehr begrenzt denkbar - zumindest in der Ersten Welt. Dennoch ist unübersehbar: Die Verfechter eines Kapitalismus ohne Grenzen sind in die Defensive geraten.