Bonn Eine Woche bis Buffalo. Heia! Deutschland ist ein schwerer Tanker. Da müssen erfahrene Kapitäne auf die Brücke, keine Leichtmatrosen.

So spricht die FDP, die Stimmen holt. So spricht Klaus Kinkel, der bekannteste und beliebteste Liberale. Und so denkt er.

Neuland scheint abgebrannt. Die andere, die "neue FDP", die sich mit dem Namen Guido Westerwelle verbindet, wirkt im Wahlkampf wie untergepflügt.

Manchmal sieht man den Generalsekretär noch, wie er für "das moderne liberale Lebensgefühl" wirbt, etwa wenn er in einem Bonner Café mit Fernsehkomiker Wigald Boning ißt oder mit Jan Roß, dem jungen Publizisten, der irgendwie für die "Berliner Republik" steht. Doch das sind Tupfer. Westerwelle, der Apologet des Neuen, setzt in den Tagen vor der Wahl auf das Bewährte.

"Verläßlichkeit, Vertrauen, Kinkel", das Motto zum Plakat-Schlager der Liberalen, ist über seinen Schreibtisch gegangen.

Ist die FDP also, wie sie immer war? Der Eindruck täuscht. Die Partei zittert, wie früher, aber sie zittert selbstbewußter. Erstmals läutet niemand die sprichwörtliche Totenglocke. Zweitstimmen werden nach wie vor eingetrieben, aber nie fällt das Wort vom "Existenzkampf". In den Umfragen rangieren die Liberalen über den fünf Prozent. Das Stammwählerpotential, heißt es in der Parteizentrale, sei in den vergangenen vier Jahren um mindestens einen Prozentpunkt gewachsen.

Wenn das zutrifft, muß es erklärt werden. Acht von zehn FDP-Wählern fühlten sich durch ihn angesprochen, glaubt Klaus Kinkel und meint damit nicht einmal sich selbst, sondern den Typus des bodenständigen Parteivertreters traditioneller Prägung. Dagegen Westerwelle: Auf dessen Konto gingen vielleicht zwanzig Prozent. Geschenkt! heißt es dazu im Lager der Westerwellisten: Wir sind zwar klein - aber wir wachsen.