Aus der Elchstube funzelt Licht, doch auf dem Vorplatz steht allein der Elch aus Beton. Das Örtchen Elverum im ostnorwegischen Ñsterdal liegt wie ausgestorben in der Dämmerung. Oben in den Bergen aber, wo das Hochmoor beginnt, sammeln sich sieben Männer vor einer Blockhütte. Zu ihren Füßen fiepen zwei aufgeregte Dackel und drei graue Elchhunde, über den Köpfen weht die norwegische Fahne, blau-weißes Kreuz auf rotem Grund. Auf dem schweren Kieferntisch liegt das Magazin Der Elch, stehen erste Flaschen Jägerbier.

"Das gibt es nur zur Elchjagd", sagt der Zimmermann Oddvin Hulleberg, 72.

Denn die sei der Höhepunkt des Jahres, schöner als Weihnachten und Ostern zusammen. Der Schweinezüchter Rolf Harald Bjórsland, 48, meint: "Es gibt nur zwei Jahreszeiten: die vor der Elchjagd und die danach!" Dann hebt er den Humpen. "Skål!"

Es ist der 24. September, der Abend vor dem Tag, an dem die Elchjagd beginnt.

Der Abend, an dem das ländliche Norwegen für volle zehn Tage lahmgelegt wird.

Gemeinden ohne Bürgermeister, Betriebe ohne Geschäftsführer. Rund 100 000 Männer verschwinden jedes Jahr mit der Flinte in die Kiefernwälder und auf die Hochmoore, lauern rund 35 000 Elchen auf, schießen ihnen durchs Schulterblatt ins Herz und schleppen die bis zu 300 Kilo schweren Körper durch die Wildnis hinunter in die Kühltruhen der Täler. Kein Tierschützer regt sich. Die Lokalzeitungen verkünden auf Seite eins: "Der erste Elch erlegt!" Dazu das Foto des hingestreckten Bullen, gezacktes Geweih über gebrochenem Blick. Und hinter ihm die Jagdgesellschaft: stolz, strahlend, um der Sicherheit willen rot bemützt.

In der Jagdhütte bollert der Ofen. Der Geruch des rakfisk, kunstvoll verrotteten Fisches, beißt in der Nase, während er würzig auf der Zunge zergeht. Schon stehen die ersten Plastikflaschen auf dem Tisch. "Importware!"