Nach Gegnern der Elchjagd sucht man in den Tälern daher vergeblich. Trotzdem gilt in Orkdal noch die Tradition, daß nur jagen darf, wer Bauer ist oder wessen Vorfahren Bauern waren. In anderen Gegenden verpachten Grundbesitzer ihre Jagdreviere längst an Städter, in Ñsterdal werden Jagdreisen angeboten, wo Ausländer sich den Abschuß eines Elches kaufen können. Allein 450 deutsche Jäger kommen pro Jahr.

In der Jagdhütte in Ñsterdal ist die Stimmung gesunken. Zwei Tage unterwegs, an zwei Elchen vorbeigeschossen, von einem weiteren nur das Hinterteil gesehen. Das schrecklichste aber: Ein gewaltiger Elchbulle kam direkt auf Rolf Harald zu, eine Kuh auf den Fersen, "zehn Meter von mir!" Doch zu groß für die Quote! Zu viele Zacken am Geweih! "Am ersten Tag sollte man einen Elch schießen, da steigt die Stimmung", sagt Kjell Olav bitter, "aber morgen schießen wir einen!"

Zwei Tage später geht dann wirklich alles ganz schnell. Es ist früher Nachmittag, da zischelt plötzlich jemand durch das Walkie-talkie: "Ein Kalb!"

Schon fällt ein Schuß, irgendwo an der gerodeten Senke, wo das Strauchwerk kreuz und quer liegt. Alle eilen herbei. Da, hingestreckt in einem Graben, liegt das Tier. Seine flache Nase fühlt sich weich an, sein dickes Fell drahtig, sein Blick ist glasig und seltsam milde. Den massigen Körper herauszuholen wird den Rest des Tages beanspruchen. Schnell, feixend, machen sich die Jäger daran, ihm das Gemächt vom weißen, weichen Bauch zu trennen.

Es riecht stark. Es riecht nach Brunft. Keiner spricht laut darüber, daß das Geweih mehr Zacken hat, als dem Abschußplan nach erlaubt. Ein erwachsener Bulle, kein Kalb wurde erlegt. Leise wird besprochen, wie man das Tier ins Tal schmuggeln kann. Das Fest am Abend wird rauschend sein.