Ein Platz am Herd! Wäre es nach dem Vater gegangen, dann hätte Ralf Schumachers Lebensweg einen anderen Verlauf genommen. Dann wäre der Sohn Koch geworden. "Lern doch endlich etwas Anständiges", diesen beschwörenden Satz hat der Filius noch im Ohr - wie besorgte Väter eben so reden.

Doch der junge Ralf hielt beharrlich dagegen. Besuchte die Schule, und mit dem Schellen nach der letzten Stunde tat er, was er am liebsten tat: Statt sich gedanklich mit dem Inhalt von Küchentöpfen zu befassen, ging er weiter "aufe Kartbahn", wie man in Kerpen sagt. Und dort blieb er auch.

Andere aus seinem Freundeskreis mochten ausbrechen, als sie erwachsen wurden, mochten die Rockmusik entdecken, den Protest und als Folge hormonellen Waltens auch die Mädchen - Ralf Schumacher blieb sich treu, er schraubte an Motoren und ließ den Gasfuß wippen. "Tatsächlich, ich war damals in jeder freien Minute aufe Kartbahn", sagt er auch heute noch, da er berühmt ist und für viele bereits ein Held.

Schumi zwo, der Bruder, sein Bruder. 23 Jahre alt, drei Zentimeter größer als Michael und sechseinhalb Jahre jünger. Wäre er tatsächlich Koch geworden, der Motorsport wäre ärmer, man muß es so sagen.

Denn wann gab es das sonst, zwei Brüder aus Deutschland, die in der Königsklasse Formel 1 um die Kurven jagen? "Familie Feuerstuhl", wie der Kicker schrieb, der große Schumacher in einem roten Ferrari auf dem Weg zur dritten Weltmeisterschaft, der jüngere in einem gelben Jordan auf dem Weg zu seinem ersten Sieg in einem Grand Prix.

Wer am kommenden Wahlwochenende, beim Großen Preis von Luxemburg auf dem Nürburgring, gewinnen will, muß an Michael vorbei und auch an Ralf. Für Millionen eine faszinierende Vorstellung, die Herzen schneller schlagen läßt - nur einer bleibt ganz ruhig: Ralf Schumacher, die große Emotion läßt dieser Mann nicht zu.

Als geeigneten Ort für ein Gespräch hat Ralfs Manager Willi Weber, der sich bereits im Herbst 1988 mit der Entdeckung von Bruder Michael unsterblich machte, das heilige Motodrom von Monza vorgeschlagen. Dort seien Testfahrten angesetzt, die drei Tage dauern und insofern ausreichend Gelegenheit böten, in den Fahrpausen dem Wesen von Schumi zwo auf die Spur zu kommen.