Die Zeit: Frau Ranke-Heinemann, jeder Muslim sollte einmal in seinem Leben nach Mekka gepilgert sein. Haben Sie eigentlich schon mal die Wiege des Jesusknaben in Bethlehem besucht?

Uta Ranke-Heinemann: Nein, es hat sich bisher nicht ergeben. Ich hatte dort noch keinen Vortrag zu halten.

Zeit: Aber so viele deutsche Pilger können doch nicht irren!

Ranke-Heinemann: Ich verreise nie außer zu Vorträgen. Ich schlafe nämlich sehr schlecht. Wenn ich beruflich unterwegs bin, nehme ich immer einen kleinen Schraubenzieher mit, um in meinem Hotelzimmer nachts Telefon, Faxgerät und Radiowecker stillzulegen. Je größer die Suite, desto länger meine Arbeit.

Zeit: Das hört sich ja an, als sei das Reisen für Sie eine Strafexpedition.

Ranke-Heinemann: Jaja. Ich hole mir die Welt lieber ins Haus. Da habe ich meine Küchenecke, meinen Balkon, meine Geranien. Und meine zwölf Sprachen.

Die sind wie Flöhe, sie hüpfen mir weg, wenn ich sie nicht ständig pflege.