Der Andrang war gewaltig. Vor einem Jahr noch wollten sieben Bewerber den neuen Hauptstadtflughafen bauen. Einige zogen sich zurück, andere wurden abgewimmelt. Beim Endspurt waren es gerade noch zwei. Seit dem Wochenende steht der Sieger fest: Ein Konsortium aus Hochtief, ABB Calor Schaltanlagen, Flughafen Frankfurt und Bankgesellschaft Berlin erhielt den Zuschlag. Bis Ende November sollen die Details geklärt sein.

Damit ist der Startschuß gefallen für ein Projekt, das Berlins Stadtväter für unentbehrlich halten: den Bau eines hub, am besten gleich eines Mega-hub. Das ist ein Umsteigebahnhof für Langstreckenflieger, so wie ihn Frankfurt, London, Paris und Amsterdam vorweisen können. Schließlich soll sich die Bundeshauptstadt zum Drehkreuz für den Ost-West-Verkehr entwickeln. Dazu taugt nicht das beengte Tegel, nicht das veraltete Tempelhof, noch das verschlafene Schönefeld am südlichen Stadtrand von Berlin. Also muß ein neuer Flughafen her.

So sehen es jedenfalls die Berliner Politiker, die große Dimensionen lieben.

Ab 2007 soll im BBI, dem künftigen Flughafen Berlin Brandenburg International, Platz sein für jährlich 25 Millionen Passagiere

später dann, im Endstadium, gar für 35 Millionen. Zwar fertigt Berlin derzeit auf seinen drei Flughäfen lediglich gut 11 Millionen Menschen ab. Aber in Frankfurt sind es 40 Millionen, davon ist jeder zweite ein Umsteiger. Und Frankfurt platzt aus allen Nähten, auch München baut aus. "Natürlich", so heißt es im Roten Rathaus, "will Berlin einen Teil vom Wachstum abbekommen."

Dazu gibt es deutlichen Widerspruch. In Sachsen-Anhalt preist Wirtschaftsminister Klaus Schucht eine von vielen belächelte Alternative an: den Flughafen Buchholz bei Stendal in der dünnbesiedelten Altmark. Vor zwei Jahren wurden die administrativen Schritte bis zum Raumordnungsverfahren eingeleitet, die Kosten des Projekts (etwa 7,5 Milliarden Mark) sollen nach Vorstellungen der Landesregierung privat finanziert werden.

Bei alledem denkt Schucht vor allem an die Arbeitsplätze: Rund um ein internationales Drehkreuz Buchholz sieht er 60 000 Jobs in einer der strukturschwächsten Ecken von Sachsen-Anhalt entstehen. Selbst nach der Berliner Entscheidung hält er an dem fest, was viele für eine "gigantische Luftnummer" (Tagesspiegel) halten. Bei der Landesregierung gilt das Projekt jedoch als eine "reale Option - bis zum ersten Spatenstich in Schönefeld".