Cambridge/Massachusetts

Die Aufregung um die Starr-Enthüllungen überlagert eine echte Krise, deren Folgen sich weitaus länger bemerkbar machen könnten als diejenigen, die auf eine mögliche Amtsanklage Präsident Clintons folgen würden. Ich meine die Erosion eines grundsätzlichen Elementes unserer Freiheit - unser Privatleben -, die die Methoden Sonderermittler Starrs auslösen. Unsere Privatheit ist nicht nur ein Privileg, das sich aus unserem Recht auf Selbstbestimmung ableitet. Sie ist, weitaus wichtiger, ein integrales Element unserer Freiheit.

Die Idee der Selbstbestimmung entwickelte sich zuerst in der antiken Welt und später in den Vereinigten Staaten als Antithese zur Sklaverei. Amerikaner lernten die Freiheit durch den Schrecken und die Abscheu zu schätzen, die sie im Angesicht der totalen Macht empfanden, die ein Sklavenbesitzer über seinen Sklaven besaß. Letztlich beraubte die Sklaverei die Menschen jedweden Anspruchs auf ein selbstbestimmtes Leben. Um die Nation von diesem furchtbaren Übel zu befreien, wurde der Bürgerkrieg ausgetragen.

Ein Grund dafür, daß die Afroamerikaner so unerschütterlich an der Seite des Präsidenten stehen (obwohl er so wenig für sie getan hat), liegt darin, daß ihre Geschichte von einer immerwährenden Verletzung ihres eigenen, privaten Lebens gezeichnet ist. Niemand weiß deshalb besser als die Afroamerikaner, was Freiheit bedeutet.

Wie allen anderen Amerikanern stand es auch Clinton frei, sich mit seinem Verhältnis zu einer jungen Frau zum Narren zu machen. Doch so schlimm er sich auch benommen haben mag, er hat keine Gesetze gebrochen. Und es ist politisch ungerecht und gesetzlich unzulässig, zu behaupten, daß er mit seinem persönlichen Verhalten einem strengeren Maßstab gerecht werden müsse als seine Mitbürger.

In einer Demokratie messen wir unsere Führer nach demselben Maß, das auch für uns gilt. Diese Gleichstellung war es, die Plato vor mehr als 2000 Jahren so erschreckte, als er die Nachteile der Demokratie beschrieb. Mir scheint, sie bereitet auch Kenneth Starr und der Minderheit Sorgen, die seine Taktik unterstützt.

Das richtige Verständnis der Öffentlichkeit von Demokratie geht einher mit der Sorge um die Erhaltung der individuellen Freiheit. Diese Sorge erklärt auch, warum die meisten Amerikaner immer noch auf der Seite Clintons und gegen Starr stehen. Indem sie die Veröffentlichung von Einzelheiten aus dem Sexleben des Präsidenten ablehnen, haben Amerikaner klargestellt, daß sein Recht auf Privatleben den Versuch rechtfertigt, Taten zu verheimlichen, die nur ihn und niemand anderen angehen.