Flachgetrampeltes, von der Hitze steinhart gebackenes Erdreich. Staubfahnen hinter kleinen nackten Füßen, die luftleere Fußbälle um todkranke Bäumchen dribbeln, an stinkendem Müll vorbei und gegen schiefe Backsteinmauern. Die kasernenartigen Häuser voller Risse, Spalten und Fugen, durch die im Sommer der Staub und im Winter der Wind in die Wohnungen pfeift. Abseits der breiten Prachtboulevards und der Paläste der gestrigen und heutigen Nomenklatura hat sich im albanischen Alltag sieben Jahre nach dem Ende des kommunistischen Alptraums fast nichts verändert.

Wären da nicht diese Neubauten, die wie die Raumflotte von einem anderen Stern in der tristen Einöde stehen. Die Banken und Hotels, ganz in Glas und Chrom, sind die Mutterschiffe. Dicht darum geschart, fast immer mit Holz verkleidet, die Versorgungsgleiter der Bars und Restaurants. Je nach den Träumen oder Geschäftskontakten ihrer Besitzer heißen sie Las Vegas oder Delphi. Nomen est eben omen in Tirana.

Und deshalb hängt im schönsten Lokal neben italienischen Flaggen auch ein lebensgroßes Poster des italienischen Medienmoguls und Oppositionschefs Silvio Berlusconi. "So, wie der seinen Weg gemacht hat, ist das ein Mann ganz nach meinem Geschmack", sagt Lokalbesitzer Ylli und wischt den Staub vom Glas über dem Brief, mit dem Silvio Berlusconi zur Eröffnung des Lokals gratuliert hat.

Die Idee zur Bar Berlusconi kam Ylli auf dem Höhepunkt des ersten albanischen Geldrausches, als niemand mehr arbeitete und alle im Kaffeehaus auf den von den Pyramidenbanken versprochenen Reichtum warteten. Die Narren hätten ihn wohlhabend gemacht, sagt der Berlusconi-Wirt voller Verachtung für die Habenichtse vor seiner Tür.

Sein Anfangskapital? Na ja, da waren die aus Deutschland, der Schweiz oder auch aus Italien verschwundenen Luxusautos, die bei ihm wiederauftauchten.

"Alle hier wollen doch Auto fahren, aber nur wir wissen, wie man die Ware kostengünstig bekommt", beschreiben sich Ylli und seine Freunde als unentbehrliche Helfer ihrer Landsleute am Eingang zum großeuropäischen Supermarkt.

Auch dem Besucher bietet Ylli großzügig seine Dienste an. "Wir lösen deine Geldprobleme", sagt der Wirt nach einem Blick auf die in seinen Augen schäbige Kleidung des Gastes. "Laß mir nur deine Adresse und deine Autoschlüssel da. Wir kümmern uns um alles. Du mußt später nur noch das Geld von der Versicherung abholen."