Feste, aber anpassungsfähige Wechselkurse sind fast immer eine schlechte Idee. Deshalb sollten auch aufstrebende oder Reformländer flexible Kurse haben. Das ist die offenkundigste Lehre aus den Finanzmarktkrisen.

In Südostasien hatten die Zentralbanken versprochen, ihre jeweilige Währung zu einem festen Satz gegen Dollar einzutauschen. Bisweilen ist es für Marktteilnehmer somit attraktiv, auf die Lockerung der Ankoppelung zu wetten - und zwar immer dann, wenn die bedingungslose Nachordnung anderer Ziele hinter der Wechselkursvorgabe unglaubwürdig wird. Dann spekulieren sie darauf, für wie wahrscheinlich andere Währungsanleger einen solchen Vertrauensbruch halten. Genau das ist die eigentliche Ursache der Instabilität eines Fixkurssystems.

Obwohl alle Welt überrascht zu sein scheint, wenn dann Krisen ausbrechen - sie sind geradewegs ein Wesensmerkmal aller Festkurssysteme. Historische Belege liefern der in den dreißiger Jahren endgültig kollabierende Goldstandard ebenso wie das Anfang der siebziger Jahre gescheiterte Bretton-Woods-System. Auch in der jüngeren Geschichte findet man weltweit Beispiele: in Europa (Großbritannien, Italien, Spanien, Schweden, Finnland 1992/93), in Lateinamerika (insbesondere Mexiko Ende 1994), in Rußland und natürlich bei den asiatischen Tigern.

Das Hinauszögern unabweisbaren Anpassungsbedarfs hängt auch damit zusammen, daß Währungsmärkte als olympische Wettbewerbe gedeutet werden. Dabei gehören Währungspreise nicht zu den letztlich zählenden Zielen. Das gleiche gilt für finanzielle Institutionen und Märkte im allgemeinen. Die Freiheit, jede nur vorstellbare finanzielle Transaktion abzuwickeln, ist kein Zweck an sich.

Entscheidend ist vielmehr, ob damit die wirtschaftlich wirklich belangvollen Ziele besser zu erreichen sind.

Was erklärt nun die Anfälligkeit von Festkurssystemen? Das Bretton-Woods-System wurde stets durch Kapitalverkehrskontrollen flankiert.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) bemühte sich zwar, die Währungen für Warengeschäfte konvertibel zu machen, aber er duldete - auch für hochentwickelte Wirtschaften - Beschränkungen in der Kapitalbilanz. Seit ein paar Jahren werden allerdings Nationen unterschiedlichsten Entwicklungsstandes vom finanziellen Establishment dazu angehalten, die Finanzmärkte zu liberalisieren. Zugleich aber spricht dieses sich für feste Kurse aus, die als ein Anker gegen Inflation gesehen werden und somit eine disziplinierte Geld- und Haushaltspolitik erzwingen.