Ihren "Lebensweg", wie sie das nennt, hat sie fürs erste so ziemlich geplant. Betriebswirtschaft möchte sie studieren an der Fachhochschule in St.

Augustin nahe Bonn. Ein Praktikum dazu hat sie in Aussicht. Heike Thönneßen macht "immer Nägel mit Köpfen". Sie hat ein Ziel. Ziele scheint sie stets zu haben.

Heike ist im April 18 Jahre geworden, Erstwählerin, im nächsten Frühjahr macht sie ihr Abitur. Sie erzählt - und ich staune. Wenn man aus der Welt der abstrakten Politik kommt, vergißt man zu leicht, wie diese entsteht. In ein anderes Politisches, nach Kohl, tastet Heike sich vor. Eine Ära würde sie es nicht nennen, das Wort ist irgendwie zu groß, zu abstrakt, zu fern. "Man hat halt gelebt", sagt sie, "und das war schon alles weit weg von mir, aber ich hoffe, daß etwas ganz Neues kommt, mit einer neuen Motivation." Ein Feindbild vom Kanzler und von seiner Partei hat sie wiederum nicht. Feindbild ist mein Wort, nicht ihres.

Zuerst hat Heike die Realschule besucht, wo sie die Beste war, jetzt das Rhein-Sieg-Gymnasium in St. Augustin. Kaum dort angekommen in der 12. Klasse, ist sie Schulsprecherin geworden. Warum? "Ich wollte es", sagt sie, "weil es wichtig ist für das Schulgeschehen." Und dafür interessieren sich nicht viele. Also hat sie ihre erste Wahlrede aufgeschrieben, zuerst einen ausformulierten Text, schließlich nur Schlagworte und Satzanfänge. Das Ganze hat sie auf Tonband gesprochen, um zu üben.

"Das Beste war die Durchsage im Schullautsprecher." Das wird Heike nicht vergessen. Dieses "Wahnsinnserlebnis". "Die Treppe heruntergehen, und plötzlich kennt dich jeder, toll." Alles war nun anders. In der Realschule habe sie noch nach der Einstellung gelebt: "Keinen Bock auf nichts". Jetzt hat sie Lust auf alles. Und Glück hat sie auch, sagt Heike. Zum Beispiel Lehrer, die zuhören. So schön wie jetzt war es nur noch in der Katholischen Landjugend, "auch so eine ganz tolle Gemeinschaft", ähnlich wie die Clique in der Schülervertretung.

An der Schule hat sie Demokratie geübt. Zum Beispiel die Schulfeste: Weil sie oft völlig schiefliefen, "Alkohol und so", sind sie verboten worden. Zwölf Lehrer, sechs Eltern, sechs Schüler haben dann in der Konferenz darüber beraten, ob sich das Verbot aufheben läßt. Sehr demokratisch, sagt Heike beiläufig, findet sie das nicht. Achtzehn Erwachsene und sechs Schüler.

Schulpolitik "ist doch auch Politik", sagt sie irgendwann.