Chaos an den Devisenmärkten: Um der internationalen Spekulation Einhalt zu gebieten, verordnet die Regierung auf Vorschlag der Notenbank strenge Kapitalkontrollen: Ausländer dürfen nur noch mit staatlicher Genehmigung einheimische Wertpapiere kaufen

wer jenseits der Grenzen einen Kredit aufnimmt, muß davon zunächst 40, später sogar 100 Prozent zinslos als "Bardepot" bei der Währungsbehörde hinterlegen. Dennoch schwappt die Spekulationswelle immer höher. Schließlich wird der Handel mit der nationalen Währung völlig gestoppt und die Devisenbörse für mehr als zwei Wochen geschlossen.

Richtig: Bei dem Staat, der sich gegen die Spekulation stemmt, handelt es sich um die Bundesrepublik Deutschland. Und die Währungsbehörde, die sich vehement für Kapitalkontrollen ausspricht, ist die Bundesbank. All dies spielte sich Anfang der siebziger Jahre ab. Damals brach das 1944 im amerikanischen Bretton Woods konzipierte System fester Wechselkurse zusammen, und die Bundesrepublik wurde mit gigantischen Dollarbeträgen überflutet, weil die Akteure an den Finanzmärkten eine Aufwertung der D-Mark erwarteten. Das Schließen der Schleusen sollte verhindern, daß der Zustrom fremder Währungen die inländische Geldschöpfung und damit die Inflation beschleunigte.

Was einer starken Industrienation wie der Bundesrepublik damals recht war, kann einem schwachen Entwicklungsland nur billig sein, mag sich der malaysische Staatschef Mahathir gedacht haben, als er kürzlich den Devisenhandel mit der Landeswährung Ringgit verbot. Damit reagierte Mahathir auf die verheerende Kapitalflucht, die den Wechselkurs des Ringitt zu Fall gebracht und die Wirtschaft des Inselstaats in eine tiefe Depression gestürzt hatte.

Malaysia ist kein Einzelfall. Nach Ausbruch der Krise hatten bereits Thailand und Indonesien wieder Kapitalkontrollen eingeführt. Auch Hongkong und Taiwan versuchen, mit staatlichen Eingriffen den außer Rand und Band geratenen Finanzverkehr in ruhigere Bahnen zu lenken. Derartige Manöver sind ein schwerer Verstoß gegen die Grundsätze des modernen Kapitalismus: Danach sorgt die freie Fahrt über alle Grenzen hinweg dafür, daß das Kapital seine produktivste Verwendung findet. Das führt zu mehr Wirtschaftswachstum. Jede Beschränkung bringt dagegen Wohlstandsverluste, so jedenfalls die Theorie.

Kurzfristige Geldbewegungen schaden mehr als sie nützen

Dieses Credo wird nach den jüngsten Finanzkrisen allerdings zunehmend in Frage gestellt. Renommierte Wissenschaftler wie Joseph Stiglitz, Chefökonom der Weltbank, oder Paul Krugman vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) befürchten, daß die kurzfristigen Zu- und Abflüsse ausländischer Gelder in den aufstrebenden Nationen mehr Schaden anrichten als Nutzen stiften. Sie plädieren deshalb dafür, notfalls den Kapitalverkehr zu regulieren. Krugman verweist auf China, das dank seiner Kontrollen von den Turbulenzen in seiner Nachbarschaft weitgehend verschont blieb. Selbst beim Internationalen Währungsfonds (IWF), der sich für eine weltweite Liberalisierung der Finanzmärkte stark macht, ist man sich der Gefahren mittlerweile bewußt. Die schädlichen Wirkungen einer Kapitalflucht liegen ohnehin auf der Hand: Um den Abfluß der Gelder zu bremsen, muß das betreffende Land seine Zinsen stark erhöhen, was zu wirtschaftlicher Rezession und unter Umständen zu politischen Unruhen führt. Aber auch Kapitalzuflüsse bergen Risiken: Sie heizen die Inflation an, verteuern die Landeswährung und schwächen damit die heimische Exportwirtschaft.