Was von der DDR noch in ihr steckt? "Bestimmt nicht das Hinterhergejammere. Aber das Land, in dem ich geboren wurde, das gibt's nicht mehr - das ist schon komisch", sagt Jana Berger. Von dem verlorenen Land steckt wohl manches in ihr, wie sich im Gespräch immer wieder zeigt. Auf ihrem Anrufbeantworter erklingt so etwas wie Holländisch erst bei genauem Hinhören wird klar: das ist Mecklenburgisches Platt.

Jana Berger stammt aus Waren an der Müritz - einer Stadt, die sich seit der Wende beträchtlich verändert hat. Nun studiert sie in Berlin, und sie meint, dies sei der südlichste Ort, an dem zu leben sie sich derzeit vorstellen kann. Ab und zu fährt sie an die Ostsee, um die Salzluft zu schnuppern.

Da mischt sich dann alles: die Herkunft aus der nördlichen DDR, die Kindheit und frühe Jugend geprägt hat, und die - keinesfalls vorbehaltlose - Integration in das wiedervereinigte Deutschland das Abitur in Waren, die journalistische Ausbildung beim Nordkurier in Neubrandenburg und nun die Wohngemeinschaft im Westberliner Neukölln, das Studium an der Freien Universität. Dort gilt sie als engagiert und fleißig. Im Studentenparlament ist sie gewählte Vertreterin des John-F.-Kennedy-Instituts für Nordamerikastudien.

Die DDR hat Jana Berger nie als Bedrückung erlebt. Der Vater war Offizier bei der Volksmarine, die Mutter arbeitete beim Rat des Kreises, beide waren SED-Mitglieder, der Großvater war Parteisekretär im Getränkekombinat: "Es war einfach so, ich hab' mir wenig Gedanken darüber gemacht." Als die Mauer fiel, war Jana 15 Jahre alt. "Damals war ich noch nicht an dem Punkt, daß ich das Gefühl hatte, man enthält mir etwas vor."

Die erste Anfechtung in der DDR kam, als sie auf die Erweiterte Oberschule wollte, um Abitur zu machen und später Jura zu studieren. Der Rat des Kreises hätte das befürwortet und das Studium finanziert, um sie später als Justitiarin einzustellen. Ein schöner gerader Lebensweg wäre das gewesen. Nur war damit die Frage verbunden, ob sie auch bereit sei, in die Partei einzutreten. Da wußte sie nichts zu antworten und dachte: "Ich kenne die Partei doch gar nicht."

Die Entscheidung blieb ihr erspart, denn bald darauf gab es die DDR und die SED nicht mehr. Bei der Frage, ob sie wohl ausgerechnet Jura hätte studieren dürfen, wenn sie sich der Partei verweigert hätte, kommt sie lieber auf ein anderes Thema zu sprechen.

Jana Berger hat nicht auf alles schnelle Antworten, sie läßt sich Zeit zum Nachdenken. Immer wieder betont sie, wie gerne sie mit Menschen arbeite.