Es war die Zeit, in der die Talking Heads ihre ersten Platten herausbrachten, als die Sache mit dem parfümierten Tee begann. Mädchen weinten sich ihren Liebeskummer bei einer Tasse Vanilletee aus den Augen, während die flaumbärtigen Verursacher des Schmerzes bei Schwarztee mit Kirscharoma über neue Eroberungen diskutierten. Ein Nachmittag mit Aromatee, das war wie eine Reise in eine fremde, bessere Welt, eine Welt, in der die Luft nach Vanille duftet und der Jammer des Erwachsenwerdens vergessen ist.

In den Magazinen tauchten Bilder von jungen Leuten auf, die parfümierten Tee aus selbstgetöpferten Schalen tranken. Nicht lange, und die Teegeschäfte wurden gestürmt von Erwachsenen, von Lehrern, Bürgerrechtlern, Hausfrauen, die sich mit Kirsch und Vanille ein bißchen Jugend zurückzutrinken hofften.

Teeproduzenten freuten sich und deckten das Land mit Geschmacksrichtungen für jede Gelegenheit ein, vom blumigen "Guten Morgen"- und zimtschweren "Winterzauber"-Tee bis zum holzig-rauchigen "Liebesfeuer".

Bald stand in jedem dritten Haushalt eine Dose mit aromatisiertem Tee. Die Jugend allerdings verbrachte ihre Weltschmerznachmittage nun plötzlich allein mit aromastarken Zigaretten - eine logische Konsequenz. Wenn schon die eigenen Eltern beim Vanilletee plauschten, konnte man als Sechzehnjähriger einfach nicht mehr unbefangen zur Töpfertasse greifen. Die Geschichte mit dem Geschmackstee war verfahren.

Das freute nun wiederum die Kaffeefirmen, die, vom Preiskampf gebeutelt, gerade nach neuen Kunden suchten. Allerdings gab es da ein Problem: herkömmlicher Bohnenkaffee ist unter jungen Leuten nicht gerade beliebt

zu sehr erinnert er an Tantenbesuche und Familienfeiern. So wurden erfahrene Geschmackskonstrukteure beauftragt, den Kaffee für die junge Generation zu kreieren. Was beim Tee gelungen war, dachte man sich, müßte doch auch beim Kaffee funktionieren.

"Kipp die Tradition!" hieß es folgerichtig in dem Werbespot, der der Jugend nun kalten Kaffee mit Vanille-, Nuß- und Cappuccino-Aroma empfahl. Und die Jugend kippte: in der Schule, im Café, im Musikclub. Die Kaffeefirmen rösteten, was die Pfanne hielt: Kaffee mit Butterscotch-Aroma, mit dem Geschmack von Tiramisu und Heidelbeere und noch zwei wundervolle Sorten namens "Winterwunderland" und "Weihnachtsplätzchen". Und siehe da: Wieder stürmten Studienräte und andere Erwachsene die Läden, sich den jungen Kaffee und das Lebensgefühl der Jugend zu Gemüte zu führen.