Seit es Antibiotika gibt, entziehen sich Bakterien diesen Waffen: Sie entwickeln Resistenzen. Medikamente gegen gefährliche Krankheitserreger verlieren ihre Wirkung. Längst besiegt geglaubte Krankheiten wie die Tuberkulose kommen zurück. Die Mikroorganismen sind in ihrem Überlebenskampf so erfolgreich, daß Ärzte, Wissenschaftler, Politiker immer lauter nach Gegenmaßnahmen rufen. Die mikrobielle Bedrohung lautete der Titel einer Konferenz, zu der sich europäische Fachleute Anfang September in Kopenhagen trafen.

"Human- und Tiermedizin müssen gemeinsam ihren Beitrag zur Lösung des Problems leisten", betonte der dänische Landwirtschaftsminister Henrik Dam Kristensen. Dann erklärte er, noch ehe die Tagung beendet war, Dänemark werde sämtliche antibiotikahaltigen Leistungsförderer in der Tierzucht verbieten.

Ganz so forsch geht der deutsche Landwirtschaftsminister nicht vor. Aber auch Jochen Borchert kündigte ein entsprechendes Verbot an, "sollten sich Zweifel an der gesundheitlichen Unbedenklichkeit der Stoffe belegen lassen".

Schneller möchten die meisten Agrarminister der Bundesländer handeln. Sie plädierten in der vergangenen Woche für einen nationalen Alleingang, sollte es zu keiner europäischen Lösung kommen.

Die wird allerdings immer wahrscheinlicher. Erst kürzlich verabschiedete der Wirtschafts- und Sozialausschuß der Europäischen Union mit 101 gegen 3 Stimmen eine "Initiativstellungnahme", in der empfohlen wird, "wachstumsfördernde antimikrobielle Wirkstoffe durch sicherere, nicht antimikrobiell wirkende Alternativen zu ersetzen". Genau das hatte im Oktober schon die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verlangt, weil zu befürchten sei, daß durch Antibiotika im Tierfutter Resistenzen bestimmter Krankheitserreger beim Menschen entstehen könnten.

Bis Anfang Dezember soll der wissenschaftliche Lenkungsausschuß der Europäischen Kommission das tatsächliche Risiko prüfen. Größter Streitpunkt: Existiert eine Verbindung zwischen resistenten Erregern beim Tier und beim Menschen? "Dafür gibt es keine Beweise", sagt Ghislain Follet, Präsident von Fedesa, einem Zusammenschluß europäischer Tierarzneimittelhersteller.

Natürlich nehme man das Problem ernst und akzeptiere auch Einschränkungen beim Antibiotikaeinsatz, doch vorher müsse man der Sache wissenschaftlich auf den Grund gehen.