Für Urlauber, die das Authentische suchen, gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht aus dem sonnigen Süden. Die gute zuerst: 300 000 Medizinmänner Südafrikas dürfen demnächst auch auf Krankenschein behandeln.

Die schlechte: deutsche Krankenscheine gelten zwischen Kapstadt und dem Krüger-Nationalpark nicht. Man wird also bei seiner privaten Reisekrankenversicherung den kniffligen Nachweis antreten müssen, daß es sich bei der Austreibung böser Geister um die Behandlung einer akuten Urlaubserkrankung handelte.

Dem durchschnittlichen Afrikareisenden genügt es aber, den Medizinmann auf Video festzuhalten, vertont mit original lärmenden Buschtrommeln und niedlichen afrikanischen Kindern im Bildhintergrund, die mit staubigen Barfüßen auf die nackte Erde hüpfen. Dagegen fragen unerschrockene Ferntouristen und nach der Wirklichkeit fahndende Studienreisende verstärkt Bed & Breakfast mitten in der Wildnis nach. Ihre Aufgeschlossenheit für die Fremde demonstrieren sie mit der Bereitschaft, einen angemessenen Aufpreis zu zahlen: für Extras etwa wie das im Katalog garantierte Fehlen von Strom und fließendem Wasser. Sogar das vorübergehende Schweigen ihres Handys dulden sie klaglos.

Ethnotourismus ist en vogue, weshalb die Leute aus Mfuwe in Sambia jetzt speziell für Fremdlinge das Lehmhüttendorf Nsendamila aus dem kargen Boden gestampft haben. Beglückte Besucher erklärten gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, ohne den Pauschalaufenthalt in der Lehmhütte sei es ausgeschlossen, "das wahre Afrika zu kennen". Das ist insofern aufschlußreich, weil die Ware Afrika in dem sambischen Dorf als Freilichtmuseum des 19. Jahrhunderts dargeboten wird. Wahrscheinlich hocken die Eingeborenen ein paar Gassen weiter abends um eine Satellitenschüssel, gucken CNN und amüsieren sich königlich über gut zahlende Europäer, die im Schein einer authentischen Paraffinkerze Malariamücken jagen und in Ermangelung einer Minibar ihr Bier als Heißgetränk schlürfen.

Am Morgen danach beobachten die sensiblen Gäste, wieder laut dpa, "Frauen, die sich Kleinkinder auf den Rücken gebunden haben und Wasser, Feuerholz und Früchte tragen". Bleibt zu hoffen, daß die zahlenden Gäste ein bißchen mitanpacken und ein gewisses Gespür dafür entwickeln, wie glücklich sie sich schätzen dürfen, daß das wahre Afrika - Kongo, Sudan, Somalia - anderswo ist.