Die Schulbuben-Scherze, die von Tisch zu Tisch purzeln, von dröhnendem Gelächter beantwortet, die forschen Frechheiten, mit denen die Kolleginnen demonstrieren, daß sie zur Mannschaft gehören: die Mitglieder des National Press Club in Washington führen sich bei ihren zeremoniellen Mahlzeiten allemal auf wie die Studenten eines Kleinstadt-Colleges auf Klassenreise.

Dennoch, der Club ist eine der mächtigen, ja geradezu ehrwürdigen Institutionen der Hauptstadt. Zum Weißen Haus hinüber sind es nur drei- oder vierhundert Schritte.

Vielleicht nahm die Washington Post den Mund ein wenig zu voll, als sie den Verein der Korrespondenten das "Epizentrum des Medien-Establishments" nannte, doch Minister, Senatoren, durchreisende Staatsleute, Wirtschaftszaren, Generäle und Buchautoren wären nicht gut beraten, schlügen sie die Einladung zu einem der offiziellen Luncheons aus. Es wird von ihnen erwartet, daß sie mit humaner Entspanntheit auf der Estrade thronen, sich mit stoischer Unverdrossenheit durch das notorisch miserable Essen (Gummihuhn oder Ledersteak) beißen und ihre Rede - niemals länger als zwanzig Minuten - mit humoristisch-selbstironischen Anmerkungen würzen, die gern mit gutartigem Applaus bedacht werden.

So geht es seit Menschengedenken Woche um Woche. Indes, Clubpräsident Doug Harbrecht, Hauptstadt-Redakteur der Zeitschrift Business Week, tischte den Kollegen kürzlich eine Sensation auf: Als Ehrengast präsentierte er dieses Mal einen jungen Mann, der vor wenigen Jahren noch sein Geld in der Wechselschicht eines Seven Eleven store verdient hatte - eines jener Allerweltsläden in den amerikanischen Vorstädten, die vierundzwanzig Stunden geöffnet sind, um den bedürftigen Bürger auch um vier Uhr in der Frühe mit six-packs von Coke oder root beer, Sandwiches, potato chips, Waschpulver, Lippenstiften und dem Playboy-Magazin zu versorgen. Jener Mensch mit dem unbezahlbaren Namen Matt Drudge, der einunddreißig Jahre zählt, hat niemals eine höhere Lehranstalt besucht. Der Welt ist er dennoch ein Begriff geworden.

Als besagter Mr. Drudge vor einigen Jahren von Washington nach Los Angeles verzog, warf er sich, ein passionierter Surfer, entschlossen in die flirrende Welt des Internet und produzierte auf seinem alten Computer eine Homepage, die er flott den Drudge report nannte, mit dem er eine Blütenlese von Personalnachrichten, Klatsch und Spinnereien offerierte. Zunächst hatte Matt, wie er freimütig erzählte, nur fünf bis zehn Leser, irgendwann tausend, und dann kam der explosive Erfolg, als er aus seinen elektronischen Quellen das Gerücht fischte, Newsweek sei im Begriff, eine Enthüllungsstory über die Sexaffäre Präsident Clintons mit Monica Lewinsky zu publizieren: ein journalistischer Diebstahl, der Wellen schlug. Mr. Drudge gelangte mit seinem scoop über Nacht zu nationalem, ja weltweitem Ruhm. Inzwischen nimmt eine Millionenkundschaft seine Berichte zur Kenntnis, die er noch immer Nacht für Nacht durch die Wellen hackt.

"Nicht viele in diesen heiligen Hallen", rief ihm Kollege Harbrecht, der Club-Präsident, mild-spöttisch zu, "würden Sie als einen Reporter betrachten." Matt Drudge, nicht auf den Mund gefallen, entgegnete rasch, unsere Zeit vibriere vom Getöse kleiner Stimmen: "Jeder Bürger kann ein Reporter sein ..." Dieser Satz verdient es, festgehalten zu werden. Er könnte Geschichte machen - wie Ms Lewinsky Geschichte machte, die sozusagen Mr.

Drudges Schwester im Geiste ist, da sie mit einigem Recht verkünden darf, daß jedes College-Groupie das Weiße Haus ins Wanken zu bringen vermag.