Kein Ende abzusehen im Streit um die angeblichen Holocaust-Erinnerungen von Binjamin Wilkomirski: Die Bergier-Kommission, eingesetzt zur Untersuchung der Schweizer Verstrickung in NS-Verbrechen, hat die Forderung des Autors abgelehnt, seine Identität zu untersuchen. Der Direktor von Jad Vaschem, Jehuda Bauer, hat gegenüber 3sat bestritten, daß sich die Institution jemals mit dem Fall Wilkomirski beschäftigt hat. Dies war jedoch von Autor und Verlag angeführt worden, um die Plausibilität von Wilkomirskis Doppelbiographie zu stützen. Er behauptet, als Kind den Holocaust überlebt zu haben und in der Schweiz mit einer neuen Identität ausgestattet worden zu sein. Der Schriftsteller Daniel Ganzfried hatte in der Weltwoche (siehe ZEIT Nr. 39/98) anhand amtlicher Dokumente den Nachweis geführt, daß diese Geschichte nicht stimmen könne. Ganzfried bittet jetzt den Suhrkamp Verlag, das Buch "vorläufig vom Markt zu nehmen", um in Ruhe die Identität des Autors zu klären. Auch das Jewish Book Council, von dem Wilkomirski im Jahr 1996 den National Jewish Book Award in der Sparte Autobiographie erhalten hat, berät derzeit über mögliche Schritte.