Deutsche Urlauber buchen ihre Pauschalreise noch immer am liebsten im Reisebüro. An Versuchen, den Verbrauchern dieses konventionelle Einkaufsverhalten abzugewöhnen und das Reiseshopping auf die Tankstelle oder ins Internet zu verlegen, fehlt es nicht. Durchschlagender Erfolg ist den Pionieren neuer Vertriebskanäle allerdings bislang versagt geblieben, obwohl sie für sich reklamieren, Urlaub von der Stange billiger anzubieten als der etablierte Fachhandel.

So auch die Firma Holiday Flugtouristik im westfälischen Rheine, die jetzt ihren Katalog Urlaub Direkt herausbrachte. Hans-Joachim Müller-Borchert, Teilhaber und Geschäftsführer des jungen Unternehmens, verspricht ein "bahnbrechendes neues Preis- und Vertriebskonzept" und auch denen einen "Urlaub auf der Sonnenseite, die bislang darauf verzichten mußten".

Wer prüfen will, was hinter den tollkühnen Versprechungen steht, wird allerdings erst einmal 159 Mark los. Soviel kostet der Katalog mit Wertgutschein, der bundesweit über mehrere hundert Verbrauchermärkte und Sonnenstudios abgesetzt wird. Schon bald soll der Vertrieb massiv ausgeweitet werden. Mit dem Kauf gerät man unter Zeitdruck. Zurückgeben kann man den teuren Katalog nämlich nur innerhalb von zwei Wochen. Von "merkwürdigem Geschäftsgebaren" spricht darum die Verbraucherzentrale Düsseldorf. Denn wer Katalog und Gutschein behält, hat seinen Urlaub schon angezahlt und könnte sich trotz möglicherweise günstigerer Angebote der Konkurrenz genötigt fühlen, bei Holiday Flugtouristik zu buchen.

Ausgesprochen kompliziert ist außerdem die Berechnung des Endpreises. Denn die Firma, die sich nicht als Veranstalter, sondern als Vermittler betrachtet, berechnet jede Leistung einzeln. Potentielle Kunden müssen die Kosten für Hotel, Transfers und den Katalog addieren. Und den genauen Flugpreis erfährt man sogar erst bei der Telefon-Hotline der Firma.

Angesichts des umständlichen Verfahrens sind Preisvergleiche mit der etablierten Konkurrenz schwierig, und sie gehen, wie Geschäftsführer Müller-Borchert auf Nachfrage einräumte, keineswegs immer zugunsten des selbsternannten Preisbrechers aus.

Bedenklich ist nach Einschätzung der Verbraucherschützer auch, daß Holiday Flugtouristik, hinter der nach Firmenangaben britische Investoren stehen, die Hotelzimmer im sonnigen Süden lediglich vermittelt. Den Übernachtungspreis müssen Reisende bei der Ankunft direkt an der Rezeption entrichten, "obwohl es", wie der Rechtsexperte der Verbraucherzentrale, Wolfgang Schuldzinski, anmerkt, "üblich ist, daß man sein Hotel erst bei der Abreise bezahlt".

Holiday Flugtouristik haftet auch nicht dafür, wenn es der Herberge an den im Katalog versprochenen Einrichtungen fehlt oder der Service mangelhaft ist.