Die Filme, die wir im Kino sehen, sind durch viele Hände gegangen: Autoren, Regisseure, Produzenten - und Verleiher. Ohne sie kommt kein Film auf die Leinwand. Bei uns gibt es fünf große amerikanische und dreißig kleine und mittlere deutsche Verleihe. Pandora war einer von ihnen.

In den letzten zehn Jahren hat der Pandora-Verleih Filme von Jane Campion (Das Piano), Woody Allen (Bullets over Broadway), Tim Robbins (Dead Man Walking), Jim Jarmusch und Aki Kaurismäki herausgebracht - fast alles, was gut und groß war im Weltkino. Jetzt aber gibt Pandora auf. Die Vertriebsrechte für Qualitätsfilme, heißt es in einer Pressemitteilung des Verleihs, würden immer teurer und seien zudem nur noch "in Paketen mit Ladenhütern" zu haben. Vor allem aber sei das öffentlich-rechtliche Fernsehen als Abnehmer für internationales Autorenkino ausgefallen: "Die Filmkunst ist nur noch kurz vor Mitternacht oder in den frühen Morgenstunden vertreten."

Das klingt ein bißchen abstrakt. Sagen wir es ruhig konkreter: Der beste deutsche Filmverleih verschwindet, weil er die Filme, die er für viel Geld auf dem weltweiten Kinomarkt erwirbt, nicht mehr ans Fernsehen weiterverkaufen kann. Er verschwindet, weil ARD und ZDF an Autorenfilmen nur noch im Paket zusammen mit amerikanischer Massenware interessiert sind, wie sie allein Großverleihe im Angebot haben.

Seit langem ist die europäische Filmkultur eine Geisel des Fernsehens. Nicht Autoren und Zuschauer, sondern Fernsehredakteure bestimmen, was in Europa fürs Kino produziert wird und was nicht. In den letzten Jahren aber ist auch der Weltmarkt, auf dem die internationalen Filmrechte gehandelt werden, immer teurer geworden. Nur die wenigsten Werke spielen ihre Lizenzkosten in den Kinos wieder ein. Filmverleihe, die überleben wollen, sind darauf angewiesen, daß das Fernsehen die Senderechte an ihren Filmen erwirbt.

Eine Zeitlang hat dieses Spiel in Deutschland funktioniert. Dann begannen die öffentlichrechtlichen Sender, das Niveau ihrer Programme ans Privatfernsehen anzupassen. Amerikanischer Krimi-Ramsch verdrängte das internationale Kino, erotischer Quoten-Dünnpfiff ersetzte die anspruchsvolleren Autorenfilme.

Jetzt ist Pandora dieser neuen bunten Fernsehwelt zum Opfer gefallen. Andere folgen bald. Das Ende dieser Verarmung, die auch die Programmkinos bedroht, ist nicht abzusehen. Es sei denn, die Kulturpolitiker in Bund und Ländern machten endlich ernst mit ihren Versprechen, sich um die deutsche Filmkultur zu kümmern - und zwar dort, wo ihre Partei- und Duzfreunde sitzen: in den Machtzentralen des Fernsehens. Herr Naumann, packen Sie's an!