Nach dem Verständnis von Werner Ruppert befinden wir uns nicht im Jahr acht der deutschen Einheit, sondern in einer Art Kriegszustand. Würde man denn sonst die neuen Bundesländer als "Ostfront" definieren? Das ist kein salopper Ausrutscher, sondern verräterischer Ausdruck von Meinungen und Haltungen in Deutschland West. Haben die ehemaligen DDR-Führungsgenossen womöglich doch ganz recht, wenn sie sich von einer "Siegerjustiz" verfolgt fühlen?

Ria Liermann, Frankfurt/M.

Gerade die beschriebenen Fälle von Führerscheinentzug wegen Trunkenheit am Steuer belegen deutlich den Vorzug der beschleunigten Verfahren: Angesichts der erschreckend hohen Zahl von Verkehrstoten vor allem auch in Ostbrandenburg spricht alles dafür, erheblich alkoholisierte Verkehrsteilnehmer (und ihre unbeteiligten Mitmenschen) möglichst schnell vor weiterer Gefährdung zu schützen. Im Gegensatz zu Herrn Kirbach kann ich sehr wohl einen pädagogischen und therapeutischen Sinn darin sehen, daß die Strafe unmittelbar der Tat folgt und nicht erst dann einsetzt, wenn der Vorfall dem Täter bereits aus dem Gedächtnis entfallen ist. Nicht unerwähnt bleiben sollte auch: Weil im Schnellverfahren das Strafhöchstmaß auf ein Jahr begrenzt ist, verzichten die Anklagebehörden damit von vornherein auf ein mögliches höheres Strafmaß - zum Beispiel bei Körperverletzung. Davon profitieren nicht wenige Angeklagte.

So hinterläßt der Artikel leider den Eindruck, daß dem Autor vor allem darum zu tun ist, Neuerungen in der Strafprozeßordnung deshalb von vornherein zu verwerfen, weil sie vorrangig im Osten und nicht im Westen der Republik Anwendung finden und nicht die Segnung einer langjährigen westlichen Rechtspraxis vorweisen können.

Dr. Ursula Bock, Treplin