Mit 26 Jahren ist Thorsten Rauser bereits ein erfahrener Unternehmer.

Seine Firma hat er gegründet, als in Berlin die Mauer fiel. Die ersten Kunden, Herren in Anzug und Krawatte, empfing er mit 17 im Kinderzimmer des Elternhauses. Inzwischen hat er so viel gesehen, erfahren wie in seinem Alter sonst nur Sportprofis oder Rockmusiker. Für das Umweltbundesamt hat er schon gearbeitet, für Bosch, Kellogg's und neuerdings für den Beratungsriesen McKinsey. Sein eigenes Unternehmen in Reutlingen stellt Computerspiele für die Werbung her.

Als einer der ersten in Deutschland hatte er die Idee des Advertainment: Unternehmen verteilen umsonst oder gegen eine geringe Gebühr Computerspiele, die unauffällig Werbebotschaften transportieren - da kommt der Spieler in seiner virtuellen Umgebung immer wieder an einer bestimmten Bank vorbei oder wird mit Cornflakes konfrontiert. Was Rauser für seinen Beruf braucht, hat er nicht an einer Universität gelernt, sondern als Teenie in der Computerszene und bei Science-fiction-Filmen im Kino.

Mit seinen fünf Mitarbeitern residiert der junge Unternehmer im gläsernen Penthouse eines Bürogebäudes. Ebenso wichtig wie die festen Angestellten sind die freien Programmierer, Grafiker, Drehbuchschreiber. Sie sitzen in Hamburg, Istanbul, Los Angeles. Der Chef in Reutlingen weiß, wer welchen Auftrag am besten erledigen kann. Sein Transportweg ist das Internet.

Was er an seiner Arbeit mag? Die verschiedenen Welten, die da zusammenkommen.

Einerseits muß er die seriösen Kunden aus der Wirtschaft überzeugen, daß die Youngster aus Reutlingen ihr Geld wert sind. Andererseits taucht er in die Welt der Programmierer ein. Thorsten Rauser ist nicht nur Ideengeber und Ideenverkäufer, sondern ein lebendiges Interface.

Auch privat. Seine Freunde kommen aus den unterschiedlichsten Sphären. Alte Schulfreunde sind dabei, Studenten und Künstler. Rauser nimmt für seine Arbeit vieles in Kauf, nur eines nicht: Er läßt sich nicht einengen. Klar, es stört ihn, daß er das Studentenleben nur von außen kennt und nie ein Auslandsjahr einlegen konnte. Viele Selfmade-Männer mögen keine Studenten, aber Rauser lädt sie in die Firma ein, damit sie eine Diplomarbeit mit Praxisbezug schreiben können.