Stockholm

Göran Persson, Schwedens Premierminister, war am vergangenen Sonntag auf der Wahlparty bester Laune. Obwohl seine Sozialdemokraten von gut 45 auf knapp 37 Prozent abgestürzt waren. Doch zusammen mit der deutlich gestärkten postkommunistischen Linkspartei (12 Prozent) und den Grünen bekamen sie trotzdem eine solide rotgrüne Reichstagsmehrheit. Auch der nächste Premier wird also wieder Göran Persson heißen.

Persson wird keine rotgrüne Koalition bilden, sondern erneut eine Minderheitsregierung führen. Einige Kommentatoren sahen den Premier bereits in den Klauen einer populistischen Linkspartei, die Börsenkurse fielen wie üblich. Aber voraussichtlich wird Persson vor allem mit den Parteien der bürgerlichen Mitte zusammenarbeiten.

Das entspricht den Traditionen schwedischer Politik. Die Unterschiede zwischen Sozialdemokraten und den gemäßigten Bürgerlichen sind nämlich nicht sehr groß. Beispielsweise befürworten auch die Center-Partei, die liberale Volkspartei und die Christdemokraten einen gut ausgebauten Wohlfahrtsstaat.

Außerdem würde eine bürgerliche Konfrontationspolitik Persson gerade in die Arme der Linkspartei treiben.

In der vergangenen Legislaturperiode konnten die Sozialdemokraten vor allem mit der Center-Partei zusammenarbeiten. Jetzt müssen sie die Unterstützung von mindestens zwei Parteien gewinnen. Insofern hat Persson es schwieriger.

Aber in anderer Hinsicht hat er es viel leichter. Als nämlich die Sozialdemokraten 1994 wieder die Regierung übernahmen, klaffte im Staatshaushalt ein Loch in Höhe von stolzen zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Perssons Regierung verfolgte deshalb einen rigiden Sparkurs. Seine Botschaft, wer Schulden mache, sei nicht frei, kam nicht bei allen sozialdemokratischen Wählern an.