Doch wodurch wurde der weltweite Preisverfall für Rohstoffe ausgelöst?

Produzenten wie der Chilene Marcos Lima von Codelco oder auch der britisch-australische Bergbaukonzern Rio Tinto, einer der größten der Welt, beschuldigen Spekulanten. Tatsächlich operieren wie an den Kapitalmärkten auch an den Warenterminmärkten Fonds mit großen Summen - nicht um das Metall oder das Getreide wirklich zu erwerben. Ihnen geht es nur darum, aus den Preisschwankungen möglichst hohen Gewinn zu schlagen. Eine der Möglichkeiten sind beispielsweise "Leerverkäufe": Die Fonds verkaufen zu einem festen künftigen Termin und zu einem fixierten Preis an einen Abnehmer Waren, die sie selbst noch gar nicht besitzen

sie spekulieren darauf, daß sie diese Ware in der Zwischenzeit billiger erwerben können, um sie dann zu dem vereinbarten höheren Preis weitergeben zu können. Die Differenz zwischen dem Terminpreis und dem niedrigeren Einkaufspreis ist ihr Gewinn.

Die Spekulation hat den Abwärtstrend vermutlich beschleunigt, aber nicht verursacht. Der eigentliche Auslöser für den Absturz der Preise insbesondere von Industrierohstoffen war die Asienkrise. Als in Japan, dem weitaus wichtigsten Handelspartner der Region, und in den südostasiatischen Ländern wegen der Rezession die Produktion einbrach, fielen auf dem Weltmarkt die Nachfrageländer mit der größten Dynamik aus.

Bis zum Ausbruch der Finanzkrise waren die Rohstoffeinfuhren der stark expandierenden asiatischen Schwellenländer in rasantem Tempo gestiegen - bei den Metallen jährlich um 12 Prozent, fünfmal so schnell wie der Weltverbrauch insgesamt. Mehr als ein Drittel der Weltnachfrage nach Kupfer entfiel 1996 auf Asien, bei Nickel waren es sogar 40 Prozent. Ähnlich war auch die Entwicklung beim Rohöl. Mehr als 70 Prozent des Rohöls, das zwischen 1990 und 1996 zusätzlich auf den Markt kam, wurden in Asien verbraucht.

Als dann die Krisenländer plötzlich als Importeure ausfielen, brachen wegen des Überangebots die Preise weg. Um den Ölpreis zu retten, vereinbarten im Juni die Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) eine Kürzung ihrer Förderung um insgesamt 3,2 Millionen Barrel pro Tag - bisher aber ohne durchschlagenden Erfolg. Das lag zum einen daran, daß der Irak seine Quellen kräftig sprudeln läßt, seit die Vereinten Nationen die Sanktionen praktisch aufgehoben haben

zum anderen haben sich längst nicht alle Opec-Staaten an die Beschlüsse gehalten. Und Erwin Arrieta, Energieminister des in arge Nöte geratenen Opec-Mitglieds Venezuela, hat sich vorsorglich schon gegen weitere Produktionsbeschränkungen ausgesprochen - ein Ende der Baisse zeichnet sich vorerst nicht ab.