Concord/Massachusetts

Weitaus stärker als die geschmacklosen sexuellen Einzelheiten des Verhältnisses mit der Praktikantin oder als Präsident Clintons quälende Versuche, sich hinter legalistischen Zweideutigkeiten zu verstecken, schmerzt die Täuschungsoffensive, die der Präsident nach Bekanntwerden der Lewinsky-Affäre im Januar einleitete. Die Möglichkeit, sich der Wahrheit zu stellen (als er versprach, bei der Untersuchung zu kooperieren), wurde innerhalb kurzer Zeit zerstört. Und so begann eine achtmonatige Serie von Lügen, die Clintons Präsidentschaft sehr viel deutlicher als seine sexuellen Beziehungen mit Monica Lewinsky für immer überschatten werden.

"Ich würde niemals jemanden darum bitten, irgend etwas anderes zu sagen als die Wahrheit", versicherte Clinton dem Land. Aber kaum hatte er dieses Versprechen gegeben, als er die Männer und Frauen in seiner Administration in eine Täuschungskampagne verwickelte, indem er sie belog.

Wochenlang bemühten sich Mitglieder des Kabinetts, der Vizepräsident, Mitarbeiter des Weißen Hauses und demokratische Kongreßführer - alle engagierte Diener der Öffentlichkeit, die in der Hoffnung nach Washington gekommen waren, Erfolge zu erzielen, auf die sie für den Rest ihres Lebens stolz sein könnten - Clinton zu verteidigen. Sogar die First Lady vervielfältigte die Lüge.

Die sexuelle Beziehung mag als privat angesehen werden

Um eins klarzustellen: Es gibt gewiß Unterschiede zwischen einem Vertuschungsmanöver, bei dem es um privaten Sex geht, und illegalen Aktivitäten wie im Falle Richard Nixons. Aber Clintons Kampagne wider die Wahrheit steht eindeutig für einen Mißbrauch der präsidentiellen Autorität.

Sie beruht auf der wohlüberlegten Entscheidung, die kostbare Plattform der Präsidentschaft, die Macht des Präsidentenwortes, die Glaubwürdigkeit des Präsidenten und seine Legitimität zu mißbrauchen, um der Öffentlichkeit ein falsches Bild zu vermitteln.