THE SALESMAN AND BERNADETTE

Er kommt im Oktober: Am 5. spielt er in der Hamburger Fabrik, am 6. in der Berliner Passionskirche, am 7. im Frankfurter Hof zu Mainz, am 8. in der Münchner Muffathalle, am 9. in der Szene Wien, am 10. im Fribourger Fri-Son, am 11. in der Zürcher Roten Fabrik, am 17. im Kölner Bürgerhaus Kalk.

Wer Vic Chesnutt noch nicht kennt, geht da einfach mal hin, hört sich diesen wundersamen, wundervollen "Liedermacher" an und braucht hier gar nicht weiterzulesen.

Oder liest doch weiter, kauft sich auf dringende Empfehlung hin Chesnutts neueste, sechste CD und kann sich so einstimmen auf die intellektuell wie sinnlich stimulierende Kunst des 33jährigen Südstaatlers aus Athens/Georgia.

Das Lieblingslied des Rezensenten ist Nummer 10 (von 14). Es heißt Woodrow Wilson und handelt von einer jungen Frau und einem amerikanischen Präsidenten. Der Text, grob übersetzt, geht so:

Sie sagte, ihr Vater sehe aus wie Woodrow Wilson, präsidierend hinter dicken Brillengläsern / Sie sagte, ihre Mutter benehme sich wie eine First Lady, sie habe letztens diese Probleme gehabt / Sie sagte, sie würde Mittwoch in die Klinik gehen / Sie sagte, ihr Bruder wäre lieber ein Neger, er habe in der Schule Afroamerikanische Studien belegt / Einmal habe er sich mit Adam Clayton Powell fotografieren lassen / Sie sagte, ihr Vater sehe aus wie Woodrow Wilson / Ich sah ihn einmal und dachte, er sieht ein bißchen aus wie Truman / Sicher weiß ich, daß er einen Aschenbecher von Eisenhower hat.

Chesnutt singt zu einer zarten, wieder und wieder wiederholten Melodie, die - in einem feinen Arrangement - von nicht weniger als dreizehn Musikern intoniert wird. Eine akustische, drei elektrische Gitarren, zwei Bässe, Baritonsaxophon, Trompete, Vibraphon, Orgel, Schlagzeug, Percussion und ein Quentchen Nebengeräusch aus dem Sampling-Computer.