Konkretes verspricht das Plakat in keiner Weise. "Wir wollen, daß Sie im Ruhestand mehr haben als schöne Erinnerungen", werben Gerhard Schröder und Co um die Stimmen all derer, die sich um ihre materielle Sicherheit im Alter sorgen.

Von denen gibt es nicht wenige - gerade auch unter den Jüngeren. Im Vordergrund der Rentendebatte steht das demographische Problem: In den nächsten Jahrzehnten werden immer weniger Erwerbstätige immer mehr Rentner unterhalten müssen.

Zur allgemeinen Verunsicherung beigetragen hat zweifellos die Rentenpolitik der Koalition. Statt das System der gesetzlichen Alterssicherung wirklich zukunftsfest zu machen, hat sie gegen die Stimmen der Opposition nur ein sozialpolitisch fragwürdiges Sparprogramm verordnet. Kein Wunder, daß selbst in den Regierungsparteien weitere Reformen in der nächsten Legislaturperiode gefordert werden.

Dabei stehen sich im Streit über die Zukunft der gesetzlichen Rente zwei Fronten gegenüber: "Systemgegner" und "Systemanhänger". Während die ersteren für eine überwiegend privat organisierte, kapitalgedeckte Altersvorsorge plädieren und allenfalls eine staatliche Mindestsicherung akzeptieren, halten die Anhänger des geltenden Systems an einer Umlagefinanzierung der Alterssicherung fest.

Doch auch innerhalb der jeweiligen Gruppen herrscht keineswegs Einigkeit über den richtigen Weg - das macht den Streit so unübersichtlich. So fordert beispielsweise Sachsens Ministerpräsident Kurt Biedenkopf seit Jahren eine steuerfinanzierte Grundrente. Dagegen jedoch laufen Liberale und Biedenkopfs Parteifreunde vom CDU-Wirtschaftsflügel Sturm. Sie wollen zwar das aktuelle System ebenfalls auf eine Mindestsicherung zurückschneiden. Das aber soll keinesfalls durch Steuern, sondern weiterhin beitragsfinanziert werden. Einig ist man sich nur darin, daß die Mindestsicherung künftig von den Versicherten privat aufgestockt werden müßte.

Bei den Systemanhängern gehen die Meinungen, wie die Alterssicherung den veränderten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedingungen sinnvoll angepaßt werden soll, ebenfalls auseinander. Strikt lehnt beispielsweise Bundesarbeitsminister Norbert Blüm jede Form von Mindestrente als Ergänzung des bisher überwiegend beitrags- und lohnbezogenen Altersruhegeldes ab.

Demgegenüber ist Walter Riester, designierter Sozialminister, im Fall eines SPD-Sieges und wie Blüm entschieden gegen eine weitgehend privat organisierte Alterssicherung, offen für eben eine solche Mindestrente als Ergänzung im bestehenden System. Maßgeblich zur Verwirrung der Betroffenen - und offensichtlich auch nicht weniger Politiker - trägt bei, daß keine der Parteien klar definiert, was ein Alterssicherungssystem zukünftig überhaupt leisten soll. Ohne so ein Ziel aber ist der Streit über einzelne Maßnahmen müßig, weil automatisch auch der Maßstab fehlt, an dem die Brauchbarkeit und Effizienz einzelner Reformschritte gemessen werden könnten.