Nach dreißig Jahren des Mordens hat die baskische Terrororganisation Eta zum erstenmal in ihrer Geschichte versprochen, auf unbestimmte Zeit keine neuen Attentate zu verüben. Eine gute Nachricht. Nun ist die spanische Regierung am Zug, scheint es. Doch am Montag, nach einem Treffen von Ministerpräsident José Mara Aznar mit Sozialistenchef Joaquøn Almunia, sagte Regierungssprecher Josep Piqué: "Der Friedensprozeß hat noch nicht begonnen.

Er beginnt erst, wenn die Eta ihre Waffen abgibt und sich selbst auflöst."

Verpaßt Madrid etwa die Gunst der Stunde?

Die demokratischen baskischen Nationalisten halten sich zugute, die Waffenruhe mit den Mitteln des Gesprächs eingefädelt zu haben. Ein Jahr geheimer Verhandlungen mit dem parlamentarischen Arm der Eta, Herri Batasuna, habe am Ende den Erfolg gebracht. Die Gesprächstherapie sei bei weitem der klassischen Polizeimedizin vorzuziehen wie in Nordirland - sagen die Nationalisten.

Nur: Sollte sich Aznar auf das Gespräch mit Herri Batasuna einlassen, so wie es Tony Blair mit Sinn Fein vorgemacht hat, könnten ihm schnell die Themen ausgehen. Autonomes Parlament und Regierung, eigene Polizei und Gerichtsbarkeit, Förderung der Sprache, regionales Fernsehen - das sind im Baskenland alte Hüte, auf demokratischem Wege ausgehandelt. Die Terroristen mußten dazu nicht gefragt werden. Die nordirische Bevölkerung, die erst jetzt in den Genuß einer gewissen Eigenständigkeit kommt, ist den Basken nicht voraus, sondern 20 Jahre hinterher. Nur die Eta hatte das noch nicht bemerkt.

Offen ist bis heute allein die Frage der staatlichen Unabhängigkeit geblieben. Die Mehrheit der Basken will sie vermutlich gar nicht, aber eine Volksbefragung dazu hat noch nicht stattgefunden. Da gäbe es wirklich noch einiges zu bereden zwischen Madrid und Vitoria. Auch Herri Batasuna könnte zum respektablen Gesprächspartner werden - wenn die Eta nicht nur das Töten aufgäbe, sondern gleichzeitig die Drohung, damit wieder anzufangen. Solange das nicht feststeht, wird die spanische Regierung sich auf Verhandlungen nicht einlassen.