Was haben eine Sonnenblume und ein Ü gemeinsam? Nichts. Und genau deshalb haben die Werbeleute der Düsseldorfer Agentur Michael Schirner den Bündnis-Grünen ein Ü verpaßt. "Die Sonnenblume", so Agentur-Mann Christian Monzel, "stand für die ursprünglichen Politikinhalte der Grünen: für Ökologie und gegen Atomkraft." Wer regieren will, muß aber ein breiteres Spektrum an Kompetenzen aufweisen. Das können die Grünen in der Tat längst: von den Bereichen Gesundheit, Gesellschaft und Wirtschaft bis hin zur Außenpolitik.

"Das Ü", so Monzel, "ist die neue Marke der Grünen: Es läßt sich mit jedem Inhalt verbinden."

Inhalte? Glaubt man Werbekritikern, so mangelte es diesem Bundestagswahlkampf vor allem an klaren Aussagen. Amerikanisierung und Personalisierung lauten die Vorwürfe. Dabei geht es nach der "Jahrhundertwahl" von 1990, bei der das erste gesamtdeutsche Parlament nach dem Fall der Mauer gekürt wurde, um nichts Geringeres als um die letzte Wahl vor der Jahrtausendwende - "ein magisches Datum", wie Detmar Karpinski findet. Mit seiner Hamburger Agentur KNSK/BBDO ist er zuständig für die Werbekampagne der SPD. Inhaltsleer und emotionsgeladen ins 21. Jahrhundert?

Tatsächlich setzen CDU und SPD mit ihren zentralen Werbemitteln - TV-Spots, Plakaten und Anzeigen - in der Schlußphase gnadenlos auf die Spitzenkandidaten. "Weltklasse für Deutschland", so präsentiert sich Kanzler Helmut Kohl auf Großflächenplakaten. Und sein Herausforderer Gerhard Schröder preist sich als neuer "Kanzler für Deutschland" an: "Wir sind bereit".

Besonders tief in die emotionale Kiste greifen die Werbeleute für die TV-Spots der beiden großen Parteien, die erst in der letzten Woche vor der Wahl gezeigt wurden. In einer Abfolge wunderschöner Bilder aus den neuen Bundesländern erzählt der CDU-Werbefilm von "blühenden Landschaften", die - na klar - nur dem Kanzler zu verdanken sind. Und der steht gleich auch noch für "die Zukunft, die Sicherheit, den Aufschwung, das Vertrauen". Um dieses Vertrauen muß Schröder erst werben. Bei einem einsamen Spaziergang am Meer erzählt der Kandidat in seinem Spot von "Visionen, Umwelt, Ideen, Innovation, Arbeit" - "die glänzendste und amerikanischste Politkampagne, die Deutschland je gesehen hat", schrieb die New York Times. Ein Lob.

Die beiden Spots haben nichts mehr gemein mit den altvertrauten Filmchen früherer Zeiten mit dröhnenden Parolen, lauter Musik und knackigen Slogans.

Ihre Ästhetik beziehen die Werbefilmer aus dem Medium, für das sie produzieren: dem Privat-TV, von RTL bis MTV.