Als ich zum ersten Mal davon gehört habe, dass wir bald eine neue Rechtschreibung haben sollten, konnte ich es gar nicht glauben. Ich dachte, was für ein "irrer" Mensch sollte so etwas durchsetzen wollen. Ich hielt es für totalen Quatsch. Vielleicht sollte es auch nur die Wirtschaft ankurbeln, weil ja neue Stoppschilder, Bücher und vieles mehr gekauft werden müssen.

Dann kam der Volksentscheid. Und jetzt, wo mir die neue Rechtschreibung gerade logisch erschien, sollen wir schon wieder umlernen. Schleswig-Holstein ist nun das einzige Land in Deutschland, in dem die alte Rechtschreibung gilt. Ich denke nicht, dass das ein Vorteil für uns ist, was die Gegner der Rechtschreibreform natürlich meinen.

Ich habe vor ca. vier Jahren das erste Mal von der "Neuen Rechtschreibung" gehört. Die Lehrer gaben uns als erstes einen Zettel mit der Reform und ihren Vorschlägen. Es dauerte nicht lange, bis wir unsere Deutsch-Einheit über die neue Reform beendet hatten. Nun sollten wir sie möglichst überall anwenden. Jetzt, nach vier Jahren, wo wir die Reform beherrschen, sollen wir sie wieder absetzen und uns "umgewöhnen". Und was passiert, wenn in Schleswig-Holstein in drei Jahren doch die Reform durchgesetzt wird? Wir müssen wieder die "tolle" Reform lernen. Also ich halte die ganze Reform für sinnlos. Jasmin Jodehl, 16 Jahre

Ich halte die Rechtschreibreform für sinnvoll, da die Reformpunkte auf Logik basieren. Daher ist es traurig, dass die Reform gekippt ist. Aber zum Glück haben die Reformgegner den Gesetzesentwurf so gestaltet, dass in dem Fall, dass die anderen Bundesländer nicht nachziehen und die alte Rechtschreibung nicht wieder einführen, die Reform trotzdem stattfindet.

Ich denke, der Grund für das Scheitern besteht darin, dass vor allem ältere Leute (älter als 50) und Leute ohne Kinder, die sich nur sehr wenig oder gar nicht damit beschäftigt haben, dagegen gestimmt haben. Jüngere Leute (jünger als 30) und Ehepaare mit Kindern, die sich meist schon etwas intensiver mit den neuen Regeln befasst haben und sie vielleicht auch schon anwenden, haben meistens dafür gestimmt. Doch der Anteil der ersten Gruppe ist größer, gerade in Schleswig-Holstein.

Diese Leute verstehe ich aber: Zwischen den ersten Überlegungen und dem Zeitpunkt, an dem die alten Schreibweisen falsch sind, liegen noch nicht einmal 15 Jahre. Das ist für eine Sprache ein sehr kurzer Zeitraum. 30 bis 40 Jahre sollten meiner Meinung nach zwischen der Einführung der neuen Schreibweise und dem Ablauf der Gültigkeit der alten Schreibweise liegen, so dass die Leute sich keine Gedanken machen brauchen, dass sie vielleicht umlernen müssen. Malte Classen, 15 Jahre

Ich finde die neue Rechtschreibung besser als die alte. Denn sie erleichtert das Erlernen für Schulanfänger, indem man mehrere Wörter ableiten kann, wie z. B. Stengel, jetzt Stängel, von Stange. Sie ist logischer bei zusammengesetzten Worten (Schiffahrt wird zu Schifffahrt), der Groß- und Kleinschreibung ("das weite suchen" wird zu "das Weite suchen") und Wörtern wie "radfahren", das neu als "Rad fahren" geschrieben wird. Die Mehrheit der Leute hat sich noch gar nicht richtig mit der neuen Rechtschreibung befaßt, sie stört nur, daß sie umlernen müßten, also stimmen sie gegen sie. Janina Ullrich, 15 Jahre