Mitunter haben diese Umsonst-Geschäfte aber auch einen Haken. So sind die Rechner, die ein amerikanischer Internet-Anbieter seinen Neukunden mitgibt, generalüberholte Geräte, die anderswo ausgemustert wurden. Sie sind gerade noch zum Netzsurfen geeignet, für andere Aufgaben jedoch zu schwach. Die lebenslange Internet-Adresse wird erst garantiert, wenn sich einige hunderttausend Mitsurfer entschließen, den Service anzunehmen. Geht dem Anbieter vorher die Puste aus, ist "lebenslang" eine ganz kurze Sache. Auch der kostenlose Internet-Zugriff hat seine Tücken, weil meistens nur ausgewählte oder nur inländische Internet-Angebote mit ihm erreicht werden können. Eine aparte Variante, bei der bei jedem Aufruf einer Internet-Seite eine komplette Werbeseite eingeblendet wurde, überlebte nicht.

Natürlich fehlt es nicht an Versuchen, Netz-Angebote zu stoppen, die auf dem Umsonst-Prinzip fußen. So versuchte die amerikanische Musikindustrie über die RIAA (das US-Pendant zur deutschen Gema) gegen den Hersteller Diamond Technologies vorzugehen, der mit seinem Rio Aufsehen erregte. Dieser Walkman wird mit Musik gefüttert, die im MP3-Format umsonst im Internet zu haben ist (ZEIT Nr. 44/98). Vergangene Woche kassierte die RIAA vor Gericht eine Niederlage, die vielleicht gar nicht so ungelegen kam: MP3-Player wie der Rio verkaufen sich so gut im Weihnachtsgeschäft, daß Firmen wie Samsung, Sony und Philips mit eigenen Geräten nachziehen. Da das Laden der Dateien über das Internet eine zeitraubende Sache ist, wird das große Geschäft in Musik-Tankstellen vermutet, wo man die Player für ein paar Mark aufladen kann. Doch auch hier kann das Entgelt entfallen: Ganz umsonst gibt es die Musik, wenn man beim Kopieren Werbespots anschaut. Auch die Buchbranche hat den Umsonst-Trick begriffen. Im Zuge der vielbeachteten Justiz-Untersuchung gegen Microsoft stellte der US-Buchverlag Random House in der vergangenen Woche die Fußnoten der amerikanischen Fassung der Microsoft-Akte umsonst ins Netz, auf daß die Leser den "Reißer" (Verlagswerbung) in Papierform kaufen. Leider ging der Schuß nach hinten los: Die Fußnoten enthüllten, daß es nichts zu enthüllen gab.