Einserkandidaten sind vom Deutschen Studienpreis nicht ausgeschlossen. Gleichwohl - viel spannender findet es Simon Golin, Geschäftsführer des Wettbewerbs, bislang unentdeckte Talente aufzuspüren. Golin will "Studenten erreichen, deren Ideen im Hochschulalltag durch das klassische Raster fallen".

Für die neue Ausschreibung "Risiko! Umgang mit Sicherheit, Chance und Wagnis" hofft er auf eine ähnliche Resonanz wie bei der Premiere vor eineinhalb Jahren. 500 Beiträge aus 22 Fachrichtungen sind damals eingegangen. Für Simon Golin war es die Bestätigung: Es gibt viele Studenten, die abseits der Lehrpläne wissenschaftlichen Fragen nachgehen. Nur hat es bisher keiner bemerkt, weil ein Forum fehlte. Und genau das bietet ihnen der Deutsche Studienpreis.

Zu gewinnen gibt es beim Deutschen Studienpreis zunächst einmal Geld: Insgesamt 325000 Mark, verteilt auf 75 Preisträger. Die materielle Entlohnung soll nach den Vorstellungen der Körber-Stiftung jedoch nicht im Vordergrund stehen. Viel wichtiger findet es Simon Golin, daß die Sieger über ein Preisträgerkolleg die Möglichkeit bekommen, Kontakte zueinander zu halten und ihre Fühler in die Wissenschaftsszene auszustrecken.

Daß ein gelungener Beitrag zum Deutschen Studienpreis Chancen eröffnet, glaubt Ernst-Ludwig Winnacker, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft: "Wenn sich der Studienpreis in der Qualität etabliert, wie es die erste Ausschreibung erkennen läßt, dann kann er zu einem Türöffner für Studenten werden, wie es heute die Studienstiftung oder das Cusanuswerk ist." Das Lob ist ein Ausdruck allgemeiner Wertschätzung. Denn vergleichbar sind die Institutionen nicht.

Teamarbeit ist nicht nur erlaubt, sondern erwünscht

Der Deutsche Studienpreis ist eine einmalige Belohnung; Studienstiftung und Cusanuswerk vergeben Stipendien für ein ganzes Studium. Noch deutlicher wird der Unterschied im Hinblick auf den Gegenstand der Förderung. Der Studienpreis prämiert neben wissenschaftlicher Leistung auch vielversprechende Ideen oder Skizzen, deren Nutzen noch nicht erwiesen ist. Er schaut nach vorn, wo andere vergangene Leistungen zum Maßstab nehmen. Das Risiko, daß der eine oder andere Preisträger mit seiner Idee scheitern wird, nehmen die Hamburger gern in Kauf. Und noch ein wichtiger Unterschied zu anderen Förderpreisen: Beim Studienpreis geht es nicht nur um herausragende Leistungen einzelner Studenten - Teamarbeit ist nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht.

Es ist nicht verwunderlich, daß so eine Zielsetzung der Jury zu schaffen macht. Denn welche Idee ist genial, originell oder zumindest ausbaufähig, welche nur skurril, zu konventionell und der wissenschaftlichen Diskussion zu weit hinterher? Bei der ersten Ausschreibung saßen am Ende zehn Wissenschaftler und drei Medienschaffende zusammen und diskutierten drei Tage lang über die Preisvergabe. Was dem einen C4-Professor banal erschien, fand ein zweiter genial. Aber genau das macht den Charme des Deutschen Studienpreises aus. An diesem Punkt unterscheidet er sich von anderen Forschungswettbewerben für Studenten. Wo das Fachwissen eines Professors aufhört, ist bei der Preisvergabe gesunder Menschenverstand gefragt. Nur so ist es möglich, daß Ideen, Skizzen oder Projekte, die interdisziplinär oder stark alltagsbezogen sind, prämiert werden können. Auch was die Form der Arbeiten betrifft, ist der Wettbewerb bewußt offen gehalten: Es können traditionelle Texte abgeliefert werden, aber auch Beiträge, die sich moderner Medien wie Video oder Internet bedienen. Und was die Länge betrifft, so waren in der ersten Wettbewerbsrunde sowohl zehnseitige Aufsätze als auch Elaborate enzyklopädischen Ausmaßes erfolgreich.