Sie verkaufen Kraftwerke in Osteuropa, Windräder in Costa Rica, Solaranlagen in Südafrika, brasilianischen Urwald und Baumpflanzungen in abgewirtschafteten ugandischen Savannen - und vor allem verkaufen sie jede Menge Studien, Consultingberichte und Machbarkeitsanalysen. In Sachen Emissionsreduktion eilen sie von einer internationalen Konferenz zur nächsten, und wenn dieser Tage in Buenos Aires Klimapolitiker aus der ganzen Welt nach Regeln suchen, wie der Ausstoß von Treibhausgasen vermindert werden kann, werden sie alle wieder dasein: die Projektdealer, Emissionsbroker, Makler, Berater und Gutachter aller Art. Es herrscht Goldgräberstimmung.

Klimaschutz wird ein Milliardengeschäft. Jedenfalls vielleicht. Das in Kyoto im vergangenen Jahr beschlossene Klimaprotokoll sieht vor, daß Firmen und Staaten Emissionsrechte international handeln können. Der jährliche Umsatz auf diesem neuen Markt könnte laut Weltbank in 20 Jahren bis zu 60 Milliarden Dollar betragen. Noch sind die Regeln dieses Marktes nicht definiert, und auch die Klimakonferenz in Buenos Aires wird kaum endgültige Beschlüsse fassen. Doch die Pioniere wittern das ganz große Geschäft, das Rennen um die besten Startpositionen im Klimaschutzmarkt hat begonnen.

Bei den Klimaverhandlungen im Dezember vergangenen Jahres bestanden insbesondere die Vereinigten Staaten darauf, den internationalen Emissionshandel zuzulassen; andernfalls hätten sich die Amerikaner wohl kaum zu Emissionsreduktionen verpflichtet. JI ist nun im Kyoto-Protokoll festgeschrieben, zudem wurde der Clean Development Mechanism (CDM) kreiert. Seit Kyoto bezieht sich JI nur noch auf Klimaschutzprojekte in Industrieländern, die eine bestimmte Emissionsobergrenze akzeptiert haben, während CDM-Projekte in Entwicklungsländern durchgeführt werden, die sich selbst (noch) nicht verpflichtet haben, die Emissionen zu reduzieren.

Aufforstungen schaffen Jobs und lassen sich gut vermarkten

JI und CDM bieten theoretisch enorme Chancen. Investitionen in Transformationsländern und in der Dritten Welt könnten neben dem Klimaschutz eine Reihe von positiven Wirkungen entfalten: Arbeitsplätze würden geschaffen, moderne Anlagen die veralteten ersetzen, und im Idealfall würden Technologien speziell für die Bedürfnisse dieser Länder entwickelt.

Aufforstungen und Walderhaltungsprojekte sind potentiell besonders attraktive JI/CDM-Projekte. Das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) entsteht nicht nur beim Verbrennen von Kohle oder Gas, sondern auch, wenn Biomasse verbrennt oder sich zersetzt. Waldrodung führt daher zu CO2-Emissionen, wachsende Wälder dagegen absorbieren Kohlendioxid. Aufforstungen und Walderhaltungsprojekte sind im Vergleich zu anderen CO2-Projekten recht preisgünstig und eignen sich zudem ausgezeichnet für Public-Relations-Zwecke. Im Oktober hat das französische Autounternehmen Peugeot bekanntgegeben, für 65 Millionen Franc 12000 Hektar brasilianischen Wald mit dem Ziel der Kohlendioxidbindung zu schützen und zu rehabilitieren. Das Chemieunternehmen Henkel möchte für 3 Millionen Mark über den in Düsseldorf ansässigen gemeinnützigen Verein Prima Klima ein Waldschutzprojekt in Argentinien durchführen.

Precious Woods pflanzt bereits seit Jahren in Costa Rica Bäume. Die Firma wurde 1990 gegründet, zu einer Zeit, als von JI noch keine Rede war. Das Ziel von Precious Woods war und ist nachhaltige und umweltverträgliche Holzproduktion in den Tropen. Wo bis vor wenigen Jahren Rinder auf karge Weiden getrieben wurden, entsteht jetzt wieder Wald, 3000 Hektar sind bereits aufgeforstet. Der Umweltbeitrag des Projektes wird sowohl in Costa Rica als auch international anerkannt. Die Erfahrung der Firma zeigt aber auch, daß naturnahe Aufforstungen nicht billig sind. Precious Woods verdankt sein Kapital der Einlage von über 600 Aktionären, die meisten davon Schweizer. Langfristig sollen die Aufforstungen durch Holzverkauf eine Rendite erwirtschaften, doch die Investoren brauchen einen langen Atem, rein ökonomisch macht sich der Einsatz bisher nicht bezahlt. Solange sich Umweltschutz nicht rechnet, werden Firmen wie Precious Woods einzelne Pioniere bleiben. JI/CDM könnte hier Abhilfe schaffen, und auch Precious Woods selbst hofft, künftig eventuell mit CDM-Geld die eigenen Aktivitäten ausweiten zu können.