Verehrte Leser! Fünf Minuten können sehr lang sein, wenn man einem Massagesessel zusieht. Hin und wieder zittert er, vibriert, bebt mal an der Lehne und mal am Gesäß. Eine fein manikürte Hand legt sich auf das Vibrieren, und eine zärtliche Stimme spricht aus dem Off: "Hier streichelt Sie unser Sessel an der empfindlichen Nackenmuskulatur, löst auch tief sitzende Verspannungen und sorgt für ein nie gekanntes Wohlbefinden. Wärme steigt in Ihnen auf..."

Aber das ist doch Sex! rufen Sie plötzlich.

Und nun zurück zum ZDF. Eben sagt da Herr Karasek und sieht dabei sehr traurig aus: "Dieses Buch hat mich sehr traurig gemacht." Schade, daß man die letzten Minuten so fröhlich mit dem Massagesessel verbracht hat, man kann jetzt nicht wirklich mit ihm traurig sein, und das würde ihm vielleicht helfen. Das oder so ein Vibrato-Sessel. Oder ein ordentlicher Whiskey.

Der Dalai Lama sagte neulich auf die Frage, wie dem Europäer zu helfen sei: Trinken Sie! Er selber, natürlich: kein Fleisch, kein Sex, kein Alkohol. Aber viel Nachsicht mit uns armen Westlern, die nicht meditieren können, die sich viel zu selten massieren, die Bücher so entsetzlich traurig machen: Wir sollen ruhig abends ein Gläschen trinken. Licht aus, Flasche auf. Das hält unsere Kultur als Trost bereit, daran ist die Leber gewöhnt, das hält die Krankenkassen munter, auch die privaten. Ist das der letzte Schachzug Asiens zur Vernichtung der westlichen Welt? Ist der Kampf von den Aktienmärkten direkt in die Kultur marschiert, wie Meister Huntington geweissagt hat?

Boris Jelzin, selber halb Asien und halb Europa, hat es schon erwischt. Zuwenig grüner Tee, sagt der Notarzt des Kreml und zuckt mit den verfetteten Schultern, zuviel Wodka in der Datscha, zuviel Arbeit macht dich auch breit... Und hätte so ein Massagesessel im Oval Office nicht das Allerschlimmste verhindert?

Es steht nicht gut um die Helden der westlichen Welt. Sie lesen zuviel, sie trinken das Falsche, sie sitzen verkehrt. Sie lassen sich nicht mehr helfen, nicht mal vom größten Aktivposten, den wir hier haben, dem lieben Gott. Sie heben die Hand nicht zum Schwur, sondern spielen damit im Schoß herum, da, wo die Fernbedienung liegt. Denn nur das Fernsehen hilft hin und wieder, in sehr langen fünf Minuten, Hintern und Seele zu streicheln.