Die Lügen hatten noch lange Beine, als dem dritten Präsidenten der Vereinigten Staaten ein Amtsenthebungsverfahren drohte. Thomas Jefferson konnte beim Verhör noch behaupten, er habe mit dieser Frau keinen Sex gehabt - und es dauerte fast 200 Jahre, bis das Magazin Nature im November 1998 das Gegenteil bewies. Schließlich gab es anno 1805 noch nicht jene Technik, die Seitensprünge so rasch entlarvt: die Analyse des Erbguts. Für den späteren Kollegen des US-Präsidenten, den 42., war es schon schwieriger, die Urheberschaft des Spermaspritzers auf dem Kleid einer Praktikantin zu leugnen.

Da Erbgut damals nicht zu entschlüsseln war, konnten Historiker und Moralisten über Jeffersons Beziehung zur Sklavin Sally Hemings bloß spekulieren. Erst die moderne Molekularbiologie bewies, daß Tom und Sally mindestens einen gemeinsamen Sohn, Eston Hemings, hatten - und folglich vermutlich auch Sex.

Die Historiker, so scheint es, werden bald überflüssig. Exakte Wissenschaften übernehmen ihren Part. Denn wer glaubt noch denen, die ihre Nasen in Geschriebenes stecken, wenn sich mit Gewebekrümelchen einer seligen Berühmtheit und mit trickreich vervielfältigter DNA (PCR-Technik) historische Gewißheiten herstellen lassen? Da es fast jedes wissenschaftliche Utensil bisher in die Niederungen der Alltagskultur geschafft hat, wird die Genanalyse bald zum Problem der Allgemeinheit. Heute erhalten Patenkinder zu Weihnachten noch Mikroskope, Nichten ein Anatomiemodell mit herausnehmbarer Lunge. Wenn aber erst die PCR-Technik im Lehrbaukasten zu kaufen ist, wer garantiert dann, daß nicht auch die Genanalyse zum Volkssport wird? Wer glaubt noch Stammbäumen, Opas Erzählungen und den Papieren des Standesamtes, wenn sich mit Spaten und PCR alles exakt recherchieren läßt?

Dann gibt es nur noch ein Rezept, das eigene Gewebe vor den eifrigen Hobbymolekularbiologen in der Verwandtschaft zu retten: die Feuerbestattung.