Zwei Männer, zwei Worte. Jürgen Trittin und Werner Müller. Der eine Umwelt-, der andere Wirtschaftsminister der neuen rot-grünen Regierung. Die Botschaft des einen, Trittins, auf dem Weg zur Klimakonferenz in Buenos Aires: Die Industrieländer müssen beim Klimaschutz voranschreiten, also Energie sparen und weniger Kohlendioxid (CO2) in die Erdatmosphäre pusten. Die Erkenntnis des anderen, Kanzler Schröders Organisators des Atomausstiegs: Wer aus der Kernenergie herauswill, der muß in Kohle- und Gaskraftwerke herein - und also damit leben, daß mehr Treibhausgase in die Luft geblasen werden. Was nun, Rot-Grün? Kotau vor den Herausforderungen der Umweltpolitik?

Tatsache ist: Die Kernenergie erspart Deutschland rund 150 Millionen Tonnen Kohlendioxid, rund ein Sechstel der jährlichen Gesamtemissionen. Wer, mit gutem Grund, aus der Atomenergie aussteigen will, der muß also beim Energiesparen einsteigen - zumal wenn er sich auf die Fahne schreibt, am Klimaschutzziel der alten Regierung (minus 25 Prozent CO2 bis 2005 gegenüber 1990) festzuhalten. Zu diesem Einmaleins gehört auch die Einsicht, daß Wind- und Sonnenstrom die Meiler nicht ersetzen können.

Fragt sich nur, ob Anlaß zu dieser Hoffnung besteht. Eher weniger, denn dazu gehörte mehr als eine halbherzige Ökosteuer, die schon zerfleddert wird, noch ehe sie im Gesetzblatt gedruckt ist. Vorzugsregeln für den Mittelstand und für die Ostdeutschen sind bereits im Gespräch. So bleibt die Energiewende ein leeres Versprechen.

Das ist gefährlich. Atomausstieg und Klimaschutz sind schließlich Prestigeprojekte der rot-grünen Regierung. Verheddert sie sich darin, ist sie schon halb gescheitert.