Hermann Maier ist amüsiert. Er lehnt sich zurück, verschränkt die Arme vor der Brust und grinst. Komische Frage: Ob er sich nicht manchmal selbst kneife, um sicherzugehen, daß das alles seine Richtigkeit hat? "Nein, für mich ist das alles ganz normal." Die letzten Jahre des Hermann Maier - dieser kometenhafte Aufstieg vom skifahrenden Maurer zum Megastar unter den Wintersportlern - sollen ganz normal sein? Er malt mit dem Finger einen Kringel auf die Tischplatte. "Es hat sich natürlich schon ein bißchen was geändert, wenn man die äußeren Umstände betrachtet. Das Geld, die Annehmlichkeiten beim Training und so weiter. Aber darüber mache ich mir keine großen Gedanken. Ich registriere das - und Schluß. In mir selbst hat sich nichts geändert in den letzten Jahren. Ich will meinen Sport machen - und das wollte ich früher auch schon."

Es war nur mühsamer. Vor drei Jahren zum Beispiel ist er an einem Samstag wie diesem auf dem Bau gestanden und hat Überstunden abgerissen. Oder er hat trainiert. Da war er 23, und niemand hat einen Schilling auf die Rennläuferkarriere des Hermann Maier verwettet - außer Hermann Maier selber. Und dann hat er alle düpiert, die Konkurrenz in Grund und Boden gefahren. Zwei Goldmedaillen hat er bei den Olympischen Spielen von Nagano gewonnen, den Gesamtweltcup geholt. Hermann Maier, derzeit unbestritten der beste Skiläufer auf dem Globus, ist nach Karl Schranz, Toni Sailer und Franz Klammer wieder ein Österreicher, der es auf zwei "Brettern" zu Weltruhm gebracht hat.

Im Gesicht ein paar flaumige Haare, ein eher mickriger Bart

Hell hat er es in der Stube seines Hauses in Flachau-Reitdorf. Es riecht nach Gulaschsuppe; der Hausherr sieht überhaupt nicht aus wie der oft beschriebene "Koloß", "Gigant", "das Muskelpaket". Ein kompakter, 1,80 Meter großer Kerl mit einem breiten Kreuz ist er. Im Gesicht hat sich Maier ein paar flaumige blonde Haare stehenlassen - ein eher mickriger Bart. Ab und zu streicht er sich das Haar aus der Stirn. Prächtige Zähne hat er, nett sieht er aus, blauäugig, interessiert. Der Eßtisch steht im Erker mit schönem Panoramablick: über die Wiesen zum Koppen und zum Langkogel, zum Wiesberg und hinüber zu den Liftanlagen am Grießenkareck.

In ein paar Tagen muß Maier los. Die Nationalmannschaft fliegt nach Amerika; dann ist er erst mal vier Wochen heimatlos. Gerade vor diesen längeren Reisen erlebt er die Gegend um Flachau besonders intensiv.

"Da drüben

auf den Wiesen haben wir gespielt. Wir waren ja immer unterwegs, immer draußen. Am Badesee oder beim Fußballspielen. Im Winter drüben am Grießenkar. Wenn ich jetzt in der Saison fast gar nicht nach Hause komme, geht mir schon etwas ab."