ZEITmagazin: Mr. Stone, eines müssen wir gleich klären, wir reden heute nicht über den weltbekannten Filmemacher mit den drei Oscars im Schrank.

Oliver Stone: Richtig. Wir reden über den Jungautor Oliver Stone.

Stone: Ich schrieb das Buch, denn es gab keinen anderen Ausweg damals. Die Erinnerungen sind aus mir herausgebrochen, in einem billigen Motel in Mexiko. Ich war neunzehn Jahre alt und gerade aus Vietnam zurückgekommen, wo ich als freiwilliger Helfer unterrichtet hatte. Ich schrieb und schrieb und schrieb, völlig verrücktes Zeug, insgesamt 1500 Seiten.

ZM: Der Roman ist aber dünner.

Stone: Das hat zwei Gründe. Als das Buch damals von allen Verlagen abgelehnt wurde, habe ich aus Enttäuschung einen Teil des Manuskripts in den Hudson River geworfen. Der Rest überlebte in einem Schuhkarton, und sehr viel später habe ich mal im Fernsehen davon erzählt. Danach rief mich ein bekannter Lektor an und fragte, ob er es lesen dürfe. Ich habe eingewilligt. Er wollte, daß der Roman veröffentlicht wird. Ich bin dann noch mal in die Vergangenheit zurückgekehrt, habe geordnet und vieles gekürzt. Dennoch ist alles, was Sie jetzt lesen, damals entstanden.

ZM: Der Held der Geschichte trägt Ihre beiden Vornamen, William und Oliver. Außerdem ist er sehr verzweifelt. Darf man davon ausgehen, daß Sie es selber sind?

Stone: Das muß man wohl. (lacht) Dieser Neunzehnjährige ist auf romantische Weise verloren, ähnlich wie Goethes Werther, der mich sehr beeinflußt hat. Er hat das College geschmissen, der Vater will, daß er was Vernünftiges macht, aber er hat diesen quälenden Wunsch zu schreiben. Er wird Soldat und geht nach Vietnam, tötet seinen ersten Vietcong, erlebt eine Art urtümliches Rauschgefühl. Töten ist für ihn, wie soll ich sagen, wie ficken ... sehr sexuell, sehr primitiv. Ficken und gefickt werden, beides. Er schaut bei der Hinrichtung einer Partisanin zu, treibt sich in allen Bordellen herum, die er finden kann, holt sich eine Geschlechtskrankheit und heuert nach dem Krieg als Matrose auf einem Frachter an, um wieder nach Amerika zurückzukommen. Dann fährt er nach Mexiko und beginnt zu schreiben.