Die Halbzeit ist vorüber, und die Brandung läßt nach. Auf dem Foto blicken die Männer nach Süden, tief in die deutsche Zukunft. Über deutsche Normalität müssen sie nicht streiten. "Politisch sollten wir uns nicht mehr ducken... Wir sind ein normales Volk." Streit gibt es nur über die Deutung der Vergangenheit, als sei diese so offen wie die Zukunft. "Rudolf, bist du sicher?" - "Ja, Martin, es ist erlebte Wirklichkeit." - "Rudolf, das ist doch nicht wahr." - "Martin, so war es eben."

Martin Walser ist 71 Jahre alt; Rudolf Augstein, seit einem halben Jahrhundert Herausgeber des Spiegels, feiert in diesen Tagen seinen 75. Geburtstag. An der Küste Südfrankreichs, vor Walsers Frankfurter Friedenspreisrede, haben sich beide über Deutschland gebeugt; ihr Gespräch ist das, was man in Spiegel -Kreisen erleichtert ein Dokument zu nennen pflegt. Walser trägt noch einmal seinen Geschichtsmythos vor, die Erzählung vom unmerklichen Nahen eines Schicksals, das nach der "Mutterkatastrophe" des Ersten Weltkriegs seinen Lauf nahm, während deutsche Menschen ahnungslos mit dem "Überlebenskampf" beschäftigt waren. "Nein, Martin, so war es nicht", sagt Augstein immer wieder. "Hitler hat schon 1920 gesagt, die Juden müßten weg ... Und daran hat er sich gehalten. Hätte er das Gegenteil befohlen, hätten alle das Gegenteil getan... Für uns stand von Anfang an fest: ,finis germaniae'... Man wußte, daß Krieg kommen würde."