Wissenschaften gibt's, die gibt's gar nicht. Militärwissenschaft zum Beispiel. Tatsächlich ist Militärwissenschaft so gut wie ausgestorben seit jenem großen Clausewitz, den Hitler und Lenin beide verehrten, welch Witz. Die Militärwissenschaft - bei Clausewitz noch eine recht komplette und komplexe Geschichtswissenschaft oder doch (falsche oder richtige) Geschichtsphilosophie - ist auf den Hund gekommen. Sie ist eine Pseudowissenschaft von der Art, wie auf amerikanischen Universitäten das Haushalten, Kochen, Waschen und Bügeln gelehrt und auch mit Diplomen belohnt wird.

Nicht, daß dies keine wissenschaftswürdigen Gegenstände wären.

Eine Analyse des Haushaltens, eine Geschichte des Kochens, eine Kritik des Waschens und Bügelns - das ergäbe durchaus eine Wissenschaft von Bedeutung. Aber genau auf diese analytisch-historisch-kritische Weise wird Haushaltswissenschaft nicht betrieben. Und Militärwissenschaft auch nicht.

Auch nicht im Land mit der stärksten Militärmacht der Welt und der Weltgeschichte, in den USA.

Überhaupt ist unser Zeitalter ein höchst militärisches. Wir haben heute und mit trauriger Wahrscheinlichkeit auch morgen und übermorgen die stärksten Armeen, höchsten Rüstungsausgaben, schrecklichsten Waffen aller Zeiten. So viel Realität und gar keine zuständige Wissenschaft. Das ist sehr seltsam, das kann nicht gutgehen.

Alle Geschichte ist Militärgeschichte, was immer Geschichte sonst noch Angenehmeres sein mag. Das Militär war, ist und wird sein eine peinliche Wurzel aller Staatlichkeit und aller Politik. Seine Bedeutung wird eher noch steigen. Der Friedensfreund, der sagt: "Pfui, du befaßt dich mit Militär", sagt etwas sympathisch Dummes. Gerade wer den Frieden will, mit aller Kraft, Verzweiflung und Hoffnung - gerade der muß Militärwissenschaft betreiben. Echte Wissenschaft wird zum Durchschauen betrieben und nicht zur Selbstbenebelung. Militärwissenschaft muß so cool sein, wie sie seinerzeit der bedeutende Militärwissenschaftler Friedrich Engels betrieb, nämlich unter Einschluß der Kritik des Militärs und unter Darbietung des Gegenbildes: einer nichtmilitärischen Zukunft. Doch an die Stelle einer authentischen, dringend nötigen Militärwissenschaft trat eine Pseudowissenschaft, die sich gern "Wehrwissenschaft" nennt. Wissenschaft übt Kritik auch an ihrem eigenen Gegenstand; "Wehrwissenschaft" entzieht sich solcher Kritik durch schiere Umbenennung und Verhimmelung.

Zurück zur "schimmernden Wehr" (Wilhelm II.), gleich auch zu Hitlers "Wehrmacht"?