Auf den ersten Blick wirkt der weiße Briefumschlag mit Sichtfenster nicht besonders auffällig. Ungewöhnlich ist nur das Datum: ins Adreßfeld gequetscht und doppelt unterstrichen. "Da will ein Hamburger Anwalt überprüfen, ob wir pünktlich zustellen", sagt Daniel Giersch, Chef des Kurierdienstes Itzehoe (KDI). Doch sein Unternehmen habe schon ganz andere Bewährungsproben bestanden.

In Itzehoe, einer Kleinstadt nahe Hamburg, tobt ein erbitterter Wettbewerb. Mit seiner Privatpost verdirbt der 24jährige Jurastudent Giersch dort dem gelben Postriesen seit vier Jahren das Geschäft. Die KDI-Fahrradkuriere bedienen bereits 80 Prozent des Marktes. Stolz verweist der Chef auf den Jahresumsatz von 1997 - eine Million Mark. Die Geschäftsidee: Für alle Briefe, die er bis Mittag abholen kann, garantiert er die Zustellung am gleichen Tag. 90 Pfennig pro Schreiben kostet der Service. Zu den Kunden zählen unter anderem das Krankenhaus und viele Ärzte, Unternehmen wie etwa Autohäuser und selbst die Stadtverwaltung von Itzehoe.

Nur 9 von 45 Mitarbeitern arbeiten ganztags

Daniel Gierschs Aufstieg zum erfolgreichen Jungunternehmer begann mit einer Talfahrt. Wegen seines schwachen Notendurchschnitts mußte der damals 19jährige zwei Jahre auf den Jurastudienplatz in Hamburg warten. Es galt, die Zeit sinnvoll zu nutzen. Also schwang er sich auf sein Fahrrad und machte dem städtischen Krankenhaus ein verlockendes Angebot: Er wolle die Ärztebriefe abholen und noch am selben Tag im Nahbereich zustellen. Nach einer halbstündigen Verhandlung bekam er den Job. In den folgenden Monaten wuchs der Kundenstamm, er konnte Mitarbeiter einstellen.

Bei der Deutschen Post AG beobachtet man die Konkurrenz mit Argwohn. "Da können wir preislich nicht mithalten", erklärt Postsprecherin Minou Esfahlani, "schließlich müssen wir Briefe bis in den hintersten Winkel der Republik befördern." Hinzu komme die Verpflichtung, ein dichtes Filialnetz zu betreiben. Um einheitliche Preise in der Stadt und auf dem Land zu bieten, mache die Post eine Mischkalkulation. Die Privaten hingegen pickten sich nur die Rosinen aus dem Kuchen - von fairem Wettbewerb könne keine Rede sein.

Wegen der Auflagen zur Versorgung sämtlicher Bürger räumt das Postgesetz dem gelben Riesen bis zum Jahre 2002 eine Exklusivlizenz zur Beförderung von Briefen bis zu 200 und Infopost bis zu 50 Gramm ein. Private Dienstleister dürfen in diesem Bereich nur aktiv werden, wenn sie mindestens 5,50 Mark pro Sendung verlangen. Diese Regel erlaubt der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post allerdings dann eine Ausnahme, wenn die Kurierdienste ihren Kunden nachweislich einen sogenannten Mehrwert im Vergleich zur Post bieten. Nur dann kann die Bonner Aufsichtsbehörde den Privaten eine Lizenz erteilen, mit der sie auch Briefe unterhalb der festgeschriebenen Grammgrenzen befördern dürfen. 50 dieser Lizenzen, davon 25 an neu gegründete Unternehmen, wurden bisher verteilt. Einer der ersten, die eine solche Erlaubnis ergatterten, war KDI-Chef Giersch.

Mittlerweile liegen die Post und die Regulierungsbehörde jedoch in heftigem Clinch. Postchef Klaus Zumwinkel wirft den Aufsehern vor, nicht wirklich zu kontrollieren, ob sich Wettbewerber an die Regeln halten. Jetzt läßt er die Lizenzvergabepraxis der Bonner Behörde vor dem Verwaltungsgericht in Köln prüfen.