Braunschweig/Belgrad

Der Jugoslawien-Konflikt begann im Kosovo, und hier wird er enden. Das ist heute eine weitläufige Meinung. Doch sie ist falsch. Nicht der Konflikt hat im Kosovo begonnen, sondern Milosevic' Aufstieg. Dort rief er 1989 serbischen Demonstranten zu, die von albanischen Polizisten drangsaliert wurden: "Keiner darf euch schlagen!" Diese Vorgeschichte muß man kennen, um zu verstehen, daß für Milosevic die Wiedereinführung der Autonomie des Kosovo von 1974 das Ende seiner politischen Macht bedeuten würde.

Milosevic hat der Nato weniger versprochen, als es scheint. So spricht die serbische Regierung in ihrem 11-Punkte-Programm davon, daß die lokale Polizei nach ethnischen Gesichtspunkten aufgestellt, von Gemeinden kontrolliert und von einem administrativen Organ des Kosovo koordiniert werden soll. Es ist jedoch anzunehmen, daß die Albaner das serbische Angebot ablehnen werden.

In politischer Hinsicht wird sich also aller Voraussicht nach nicht viel ändern. Ein Wiederaufflammen der Kämpfe im nächsten Frühjahr ist deshalb nicht auszuschließen. Der Unterschied wird dann nur sein, daß sich die OSZE-Inspekteure vor Ort von dem Muster der Gewalttätigkeiten überzeugen könnten: Erst greift die albanische UCK serbische Polizisten an, und die lassen dann beim Zurückschießen albanische Dörfer in Flammen aufgehen.

Wir erleben in Bosnien, wie schlecht das Dayton-Abkommen funktioniert, obwohl es doch so viel gründlicher als die Kosovo-Einigung vorbereitet wurde. Was aber könnte zur Lösung führen?

Erst einmal müßte der Westen erkennen, daß es in seinem strategischen Interesse liegt, die Stabilität in Serbien zu fördern. Nur ein stabiles Serbien garantiert einen möglichen Frieden auf dem Balkan.

Nordirland könnte als Modell für eine Friedenslösung dienen. Das hieße: Die Albaner müßten ihre Verhandlungsmannschaft durch Wahlen legitimieren, und sie würden damit indirekt die serbische Staatlichkeit anerkennen. Die Serben müßten im Gegenzug Verhandlungen ohne Vorbedingungen annehmen und auch zulassen, daß sie von einem internationalen Vermittler koordiniert werden. Bis zu einem Verhandlungsergebnis würde die jetztige Waffenruhe, die von OSZE-Beobachtern überwacht wird, weiter eingehalten. Und in welcher Hinsicht könnte Nordirland noch als Vorbild dienen? Dort hat sich gezeigt, daß jede Konfliktlösung erfolgreich ist, wenn sie die Aufteilung in Verlierer und Gewinner vermeiden kann.