Wenn Unternehmer Geld brauchen, dann müssen sie sich entweder Geld leihen oder Aktien verkaufen. Letzteres funktioniert freilich nur, wenn sie gut wirtschaften und hohe Dividenden zahlen. Ist das nicht der Fall, müssen sie über eine gute Propagandaabteilung verfügen. Die kauft sich dann einen Star, zum Beispiel Manfred Krug, und trommelt, was das Zeug hält.

Aktienverkauf mittels Propaganda, auch Krug-Methode genannt, ist nicht neu. Einer der beeindruckendsten Fälle war der Bau des Panamakanals gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts. Selten wurden so viele Kleinsparer über den Börsentisch gezogen wie damals. Über zwei Milliarden Franc, eine in jener Zeit schier unvorstellbare Summe, steckten gutgläubige Bankkunden in dieses Propagandaprojekt.

Der Star hieß damals nicht Manfred, sondern Ferdinand. Vicomte Ferdinand de Lesseps, um genau zu sein. Dieser Herr hatte sich damals einen legendären Ruf erworben, weil es ihm gelungen war, das Mittelmeer mit dem Roten Meer zu verbinden. Und wer einen Suezkanal gebaut hat, dem nehmen die Leute auch ab, daß er einen Panamakanal bauen kann. Selbst wenn er schon an die Siebzig geht und das dortige Klima nicht verträgt. Die Großsparer allerdings hatten über das Projekt nur gelacht. Genausogut könne man sein Geld in den Kanal werfen, soll Baron Rothschild gesagt haben.

Die Kleinsparer indes hatten gegen die Propaganda keine Chance. Gleich zu Beginn, 1879, gaben sie 300 Millionen Franc. Und weil die schnell weg waren, verdoppelten sie ihren Einsatz. So ging das jahrelang weiter. Kaum war das Geld aufgebraucht, setzt die Propaganda ein, und die Leute kauften. Derweil hinkten die Kanalbauer meilenweit hinter ihrem Zeitplan. Schuld daran war eine Mücke, die Malaria und Gelbfieber verbreitete. Die Aktionäre erfuhren davon freilich nichts. Statt dessen kündigte die Propaganda von Erfolgen. Bis die Gesellschaft dann zehn Jahre nach dem ersten Spatenstich pleite ging. Die Amis kauften die Konkursmasse dann für eine Handvoll Dollar auf und stellten den Kanal 1914 fertig.