Neulich wurde ich gefragt, wer mir von allen Menschen, denen ich in meinem langen Leben begegnet bin, am meisten imponiert hat. Ohne einen Moment zu zögern, wußte ich: Helmut Bleks in Namibia. Warum? Antwort: Weil er mit unermüdlicher Energie Gutes und Nützliches tut - nicht um irgendeiner Rendite willen, sondern allein aus Freude am Helfen und aus Liebe zu seinen schwarzen Kindern.

Eigentlich war er ein Manager im Vorstand eines großen Industrieunternehmens in Bochum. Nach einem Herzinfarkt beschloß er auf Anraten des Arztes, seinen Beruf an den Nagel zu hängen und ein ruhigeres Leben zu beginnen.

Helmut Bleks und seine Frau gingen auf Reisen und blieben in Windhuk hängen. Er kaufte eine Farm, vielmehr ein großes Farmgelände: 6000 Hektar hügelige Steppe mit struppigen Akaziensträuchern - ohne Gebäude. Sogleich begann er, die Voraussetzungen für einen Farmbetrieb zu schaffen. Sehr bald entdeckte er, daß es quer durch den ganzen Kontinent, von Windhuk bis Swakopmund, zwar viele Farmen, aber keine Dörfer und daher auch keine einzige Schule für schwarze Kinder gab. Das sollte bei ihm anders sein.

Mit diesem Entschluß begann ein unaufhaltsamer Prozeß. Unaufhaltsam, weil Helmut Bleks nie Ruhe gibt. Vor 25 Jahren, 1973, stellte er den ersten Lehrer an, der unter einer Schirmakazie 20 um ihn herumhockende Kinder unterrichtete. Heute gibt es 30 Lehrer, darunter 4 weiße für die Fachschulen, und 500 Schüler in der zehnklassigen Hauptschule.

Damals standen hier gerade einmal 10 Gebäude - heute sind es über 70, darunter eine sogenannte Buschklinik, in der monatlich 300 bis 350 Patienten behandelt werden; außerdem Werkstätten für Schneiderei, Weberei und Lederwaren sowie eine Lehreinrichtung, in der Mädchen für das Hotelgewerbe ausgebildet werden. Alle Gebäude sind mit Hilfe ehemaliger Schüler errichtet worden.

Einmal, in den ersten Jahren, war die Wassernot so dramatisch, daß Bleks den Schülern erklärte, sie müßten alle nach Hause gehen; die aber sagten: "Wenn du hierbleibst, dann bleiben wir auch." Und sie blieben.

"Wann habt ihr denn die Kirche gebaut?" fragte ich. Die stand nämlich noch nicht, als ich zum erstenmal in Baumgartsbrunn war, wie der Ort heute heißt. "Ja, die Kirche", antwortete Helmut, "das ist eine interessante Geschichte." Und er erzählte: "Eines Tages beschloß ich, die Farmwirtschaft aufzugeben und mich nur noch den Kindern und ihrer Ausbildung zu widmen. Ich verkaufte 400 Rinder und hatte plötzlich viel Bargeld."