In Berlins neuer Mitte am Potsdamer Platz öffnete mit dem Grand Hyatt Deutschlands neueste Luxusherberge ihre Pforten. Das 325 Zimmer und Suiten große Fünfsternehaus lockt mit Einführungspreisen von 280 Mark pro Nacht, um sich auf einem hart umkämpften Hauptstadtmarkt zu etablieren. Später möchte Hotelchef Michael Kiehl die Einzelzimmer nach Möglichkeit für 420 und die Doppelzimmer für 490 Mark losschlagen. "Ein ziemlich blaublütiges Ansinnen", unken seine Berliner Hotelierskollegen. Denn in der Stadt an der Spree wurden mit Blick auf deren künftige Rolle als Regierungssitz in den letzten Jahren schon so viele neue Hotelbetten gebaut, daß derart hohe Preise in absehbarer Zeit kaum durchsetzbar sind, wenn man eine vernünftige Auslastung erzielen will.

Stefan Simkovics, Chef vom Four Seasons meint: "Leider hat sich die Berliner Hotellerie durch die Dumpingpreise der letzten Jahre einen schlechten Dienst erwiesen. Im Vergleich zu Städten wie New York und London sind die Tophotels hier spottbillig." Sein Haus, gerade vom Feinschmeckerführer Gault Millau zum "Hotel des Jahres" gekürt, ist inzwischen immerhin zu etwa siebzig Prozent ausgelastet bei einem durchschnittlichen Zimmerpreis von knapp über 300 Mark. Der Exchef des Hamburger Vier Jahreszeiten hofft, daß die Preise im nächsten Jahr bei etwa gleichbleibender Belegung "noch etwas höher kommen". "Bei steigender Tendenz ist schon jetzt jeder fünfte Gast ein Amerikaner. Gerade unsere großen Suiten sind immer stärker gefragt." Die größte Zimmerflucht schlägt immerhin mit stolzen 5000 Mark pro Nacht zu Buche.

Noch ist der Bettenbau an der Spree nicht zu Ende

Das direkt am Gendarmenmarkt gelegene 204 Zimmer große Hotel der kanadischen Four-Seasons-Gesellschaft hatte vor zwei Jahren den Reigen der neuen Fünfsternehotels in Berlin eröffnet. Es ist wesentlich persönlicher geraten als das Grand Hyatt. Selbst der 337 Zimmer große Neubau des legendären Adlon unweit vom Brandenburger Tor gibt sich wohnlicher. Bernd Chorengel, der deutschstämmige Präsident von Hyatt International, zum ersten europäischen Haus in der normalerweise auf spektakuläre Architektur bedachten Grand-Hyatt-Kategorie: "Wir visieren jüngere Geschäftsleute an, die elegant, aber unverkrampft wohnen möchten". Chorengel: "Wir wollten nichts Steifes, keine Tempel-Atmosphäre."

Das von dem spanischen Architekten José Rafael Moneos entworfene, von dem Züricher Designer Hannes Wettstein eingerichtete und von Daimler-Benz finanzierte Haus präsentiert sich mit klaren Fronten und glatten Linien, viel Glas und Holz und reichlich High-Tech. "Ein Hotel, das den Visionen des 21. Jahrhunderts für die Stadt Berlin nahekommt", hofft Hyatt-Boß Chorengel. Seine Gesellschaft hatte erst kurz vorher mit zwei neuen Fünfsternehäusern die Präsenz in Deutschland erhöht: In Hamburg eröffnete ein 252 Zimmer großes Park Hyatt im historischen Levantehaus an der Mönckebergstraße, in Mainz wurde die historische Befestigungsanlage Fort Malakoff in das 268 Zimmer große Hyatt Regency integriert. Die US-Gesellschaft ist nun zusammen mit dem bereits 1988 eröffneten und 307 Zimmer großen Hyatt Regency Köln viermal in der Bundesrepublik vertreten, München könnte der nächste Standort sein.

Das Berliner Adlon wird im Rahmen eines Pachtvertrages von den Kempinski Hotels betrieben. Offensichtlich hat sich das Haus besser angelassen als ursprünglich befürchtet. Die Zimmer sind gut zur Hälfte belegt, zu Preisen von etwa 370 Mark. Die Hälfte der über 24 Millionen Mark Umsatz des ersten Halbjahres wurde allerdings mit der Gastronomie erzielt. Vom kommenden Frühjahr an soll endlich auch das schon länger angekündigte Gourmet-Restaurant Geld in die Kasse bringen. Das Adlon setzt darauf, demnächst zum offiziellen Regierungshotel zu werden.

Mit der Eröffnung des Grand Hyatt ist das Bettenbauen in Berlin keineswegs zu Ende. So will beispielsweise die in Singapur beheimatete Hotelgesellschaft Raffles, die im Juli 1997 für 80 Millionen Mark das traditionsreiche Hamburger Vier Jahreszeiten erwarb, neben einem Fünfsternehotel zusätzlich mit einem Haus ihrer volkstümlicheren Marke Merchant Court an der Spree Fuß fassen.