So ist das in der Schweiz: Zwei Topmanager telefonieren miteinander, zunächst nur über Verbandsangelegenheiten. Schließlich meint einer von beiden urplötzlich, man könne doch fusionieren. So lautet aus dem Munde eines der beiden Firmenchefs die nur sechswöchige Vorgeschichte der jüngsten Elefantenhochzeit in der eidgenössischen Chemie. Nicht einmal drei Jahre nach dem Zusammenschluß von Sandoz und Ciba-Geigy zur Novartis AG gaben sich ihre verstoßenen "Kinder" das Ja-Wort. Die bereits vor dieser Fusion von Sandoz unter dem Namen Clariant über ein going public abgestoßene Feinchemikaliensparte und die von Novartis ebenfalls über die Börse verkaufte Ciba-Spezialitätenchemie werden mit einem Jahresumsatz von 21,6 Milliarden Mark und zur Zeit noch 55 000 Beschäftigten im Geschäft mit Textilfarbstoffen und Pigmenten, Additiven und Prozeßchemikalien weltweit die Nummer eins sein.

Der Vollzug der Fusion dürfte nicht einfach werden. Die selbst noch um eine eigene Identität ringenden Firmen sind bereits neue Partnerschaften eingegangen: Clariant im vorigen Jahr durch Aufnahme der Spezialchemie des Hoechst-Konzerns gegen eine Beteiligung von 45 Prozent, Ciba durch die Übernahme des britischen Wasseraufbereiters Allied Colloids Anfang des Jahres. Hoechst wird mit knapp 25 Prozent auch größter Einzelaktionär des unter dem Namen Clariant firmierenden neuen Konzerns sein. Es darf darüber spekuliert werden, wann Hoechst-Chef Jürgen Dormann auch diese Finanzbeteiligung versilbert.