Der Machtkampf in der Münchner HypoVereinsbank (BHV) dürfte am Wochenende seinen endgültigen Höhepunkt erreichen. Am Sonntag tritt in der bayerischen Landeshauptstadt der Aufsichtsrat des nach der Fusion zweitgrößten deutschen Geldhauses zu einer Sondersitzung zusammen. Bei dem Treffen geht es um die Zukunft von BHV-Vorstandssprecher Albrecht Schmidt und dem heutigen Aufsichtsratsmitglied und ehemaligen Chef der Hypo-Bank, Eberhard Martini. Beide hatten sich mächtig überworfen und dem jeweils anderen die Verantwortung für ein überraschend aufgetauchtes Finanzloch in Höhe von 3,5 Milliarden Mark angelastet. Zwar erklärten beide die persönliche Schlammschlacht inzwischen für beendet, die sachlichen Differenzen sind jedoch geblieben. Vor der sonntäglichen Krisensitzung sickerte bis Mitte der Woche einhellig aus Kreisen des Vorstandes und des Aufsichtsrates durch: "Die endgültige Faktenlage ist weiterhin unklar."

Kenner der Szene lassen kaum einen Zweifel daran, daß Schmidt wohl seinen Hut nehmen muß, falls er den von ihm initiierten Streit nicht plausibler als bisher erklären kann. Gegen seine Demission spricht allerdings, daß gerade die Kapitaleigner bislang an Schmidts Arbeit große Freude fanden. Das Münchner Institut hat im Gegensatz zu den Frankfurter Konkurrenten die jüngste Finanzkrise, vor allem in Asien und Rußland, fast unbeschadet überstanden. Lohn ist ein Aktienkurs, der über dem Branchendurchschnitt gestiegen ist. Daher dürfte sich der Aufsichtsrat äußerst schwer tun, den bislang sehr erfolgreichen Banker Schmidt zum Rückzug zu zwingen, zumal die fachlichen Qualitäten seines heutigen Gegenspielers Martini von (fast) niemand auch nur annähernd hoch eingeschätzt werden. Die auch inhaltlich verzwickte Lage könnte das Aufsichtsgremium veranlassen, auf Zeit zu spielen und daher unabhängige Experten mit einer Sonderprüfung der umstrittenen Immobiliengeschäfte zu beauftragen. Die großen Aktionäre der HypoVereinsbank - der Versicherungsriese Allianz und das Land Bayern - haben jedenfalls unmißverständlich zu verstehen gegeben, daß sie in jedem Fall auf einer umfassenden Klärung des seltsamen Geldverlustes bestehen.