"Das gehört nun zu meinem Leben", sagt Monika Böttcher, geschiedene Weimar. Vor zehn Jahren als Dreißigjährige zu lebenslanger Haft verurteilt wegen Mordes an ihren beiden kleinen Töchtern Melanie (7) und Karola (5), wurde sie nach acht Jahren Haft am 24. April 1997 freigesprochen. Dieses Urteil hat der Bundesgerichtshof Karlsruhe in der vergangenen Woche wieder aufgehoben. Er verwies den "Fall Weimar" zu neuer Verhandlung an die Schwurgerichtskammer in Frankfurt. "Monika Böttcher ist jetzt weder freigesprochen noch verurteilt", sagte der Vorsitzende BGH-Richter, Burkhard Jähnke, mit Bedacht.

War es die Mutter? War es der Vater? Eine Antwort auf diese quälende Frage scheint gefunden, wenn klar ist, ob die Mädchen noch am Morgen des 4. August 1986 gelebt haben oder aber schon in der Nacht zuvor sterben mußten. Im ersten Fall hätte, so die Ermittlungen, die Mutter die Tat begangen, die damals eine Liebesbeziehung mit einem amerikanischen Soldaten hatte. Im zweiten Fall könnte es der Vater, Reinhard Weimar, aus Eifersucht und Rache getan haben. Die Eltern beschuldigen sich gegenseitig. Es ist möglich, daß wir ohne Antwort bleiben werden.

Drei Menschen wollen die Mädchen noch am Morgen gesehen haben: die mit Monika Böttcher verfeindete Nachbarin Elisabeth Nordheim und das Ehepaar Hans und Sonja Führer. Die Gießener Richter hatten Führers Aussage nicht direkt angezweifelt, aber doch "ein gewisses Unbehagen" ausgesprochen. Das rügte der BGH: "Man kann nicht feststellen, daß eine Aussage richtig ist und dem Zeugen gleichzeitig nicht glauben." Führer ist der Bruder der Hauptbelastungszeugin, Elisabeth Nordheim. Seine Frau Sonja hatte ausgesagt, sie seien von der Schwägerin, die sich der Lüge bezichtigt fühlte, als Zeugen "ins Spiel gebracht" worden.

Des weiteren fand der BGH nicht geklärt, wieso die Leichen der Kinder, wenn sie denn vom Vater nachts ermordet worden wären, nicht Nachtzeug, sondern Spielkleidung trugen sowie geflochtene Zöpfe hatten, als sei der Mord am Morgen danach durch die Mutter geschehen.

Nach gewonnener Revision gut gelaunt, erklärte Nebenklage-Anwalt Bernd Schneider für seinen Mandanten Reinhard Weimar: "Wir sind ja gar nicht so. Es muß nicht lebenslänglich sein. Wir wollen eine Aussage von Frau Böttcher, daß kein Faktor mehr für die Täterschaft meines Mandanten spricht."

Dem vergangenen Prozeß war Reinhard Weimar "aus gesundheitlichen Gründen" ferngeblieben. Monika Böttchers Verteidiger Gerhard Strate vermutet: "Er will sich uns in der Beweisführung entziehen." Mit Blick auf den neuen Mordprozeß häufen sich die Stimmen, Reinhard Weimar möge endlich vor Gericht erscheinen; sogar bei denen, die von seiner Unschuld überzeugt sind.