Ein Mann und immer nur ein Wort: ehrgeizig. Zu ambitioniert, sagen die Kritiker des Bankers Albrecht Schmidt, und seine Gegner schildern ihn gar als krankhaften Ehrgeizling. Völlig falsch, entgegnen seine Anhänger in den Reihen von Vorstand, Aufsichtsrat, Belegschaft und Investoren: Der Vorstandssprecher der HypoVereinsbank in München habe enorm viel bewegt. Und wer Außergewöhnliches vollbringe, rufe immer Neider und Miesmacher auf den Plan.

Ob Freund oder Feind, Mitglieder beider Fraktionen können endlos darüber diskutieren, ob Schmidts Ehrgeiz nun als Tugend oder Untugend zu werten sei. Einhellig urteilen Insider dagegen über seine fachliche Qualifikation. Kurz und knapp heißt es allerorten: ein sehr guter Banker. Selbst nüchterne Typen sprechen von exzellenter Arbeit.

Wen die Umwelt so einschätzt, der kommt kaum umhin, eine hohe Meinung von sich selbst zu haben. Der promovierte Jurist Schmidt ist selbstbewußt. Sehr sogar. Hat er, der Mann aus der Münchner Finanzprovinz, den Frankfurter Platzhirschen nicht gezeigt, was eine Harke ist? War er es nicht, der den deutschen Bankencoup des Jahrzehnts landete und mit der Fusion von Vereinsbank und Hypobank das zweitgrößte Geldhaus der Republik schmiedete? Natürlich hat er. In vertrauter Runde läßt der gebürtige Leipziger daran keinen Zweifel.

Markige Sprüche sind dabei nicht sein Stil, rhetorische Kunststücke gelingen eher zufällig, nein, für eine Talk-Show im Fernsehen ist der Mann mit dem preußisch exakten Scheitel eher ungeeignet. Hinter der hölzernen Fassade verbirgt sich ein ungewöhnlich hartnäckiger Mensch. Schmidt läßt nicht locker, bis er seine Ziele erreicht hat. "Kleiner Napoleon" lautet sein Spitzname in München.

Schmidts entschlossene Art werten seine Gegner als Verbissenheit. Ein ehemaliger Mitarbeiter der Vereinsbankgruppe urteilt gar: "Wenn es sein muß, geht der über Leichen." Unfair, gar brutal, nein diesen Vorwurf will ein Mitglied des Vorstandes nicht gelten lassen. "Harter, sehr harter Hund, einverstanden. Aber immer kollegial." Zumindest solange alles halbwegs glattläuft. Der Perfektionist Schmidt mißtraut seinen Mitarbeitern. "Am liebsten würde er noch jede Tankquittung persönlich kontrollieren", stöhnt ein Insider. Zwar kann Schmidt Fehler auch einmal verzeihen. Nur Gnade dem, "der Bockmist gebaut hat und das auch noch zu vertuschen versucht", sagt ein Vorstandskollege.

Vielleicht erklärt sich vor diesem Hintergrund der rüde Machtkampf mit seinem früheren Weggefährten Eberhard Martini. Die beiden kennen sich schon aus gemeinsamen süddeutschen Studienzeiten, noch bevor Schmidt vor über dreißig Jahren als Repetitor weniger begabten Prüflingen die Paragraphen der Rechtskunde einbleute. Monatelang tüftelte das Duo Martini-Schmidt im vergangenen Jahr an der Fusion zwischen Bayerischer Hypotheken- und Wechsel-Bank sowie der Bayerischen Vereinsbank. Nie ließen beide öffentlich nur den Hauch eines Zwistes erkennen - trotz ihrer extrem unterschiedlichen Naturelle. Hier der bayerisch-barocke Genußmensch Martini, der hartnäckig im Verdacht steht, er habe als langjähriger Hypo-Chef allzu oft fünfe gerade sein lassen. Dort der Workaholic und Vereinsbank-Herrscher Schmidt, "dessen Lebensinhalt darin zu bestehen scheint, sein Arbeitszeitpensum gegen unendlich ausdehnen zu wollen" (Süddeutsche Zeitung).

Auch als Schmidt wie selbstverständlich zum Chef der neuen HypoVereinsbank avancierte und der etwas ältere Martini mit einem einfachen Mandat im Aufsichtsrat abgespeist wurde, hielt die traute Zweisamkeit. Bis Ende Oktober die Bombe platzte und ein "tief enttäuschter" Schmidt der verdutzten Öffentlichkeit ein gigantisches Finanzloch von 3,5 Milliarden Mark präsentierte. Die Altlast stammt aus dem Immobiliengeschäft der ehemaligen Hypo-Bank.